mood.

Der Zeiger der großen hölzernen Wanduhr tickt. Tick Tack. Tick Tack. Tick Tack. Sie stellt die Musik lauter. Wenn man dann die Augen schließt, steht die Zeit still. Es duftet nach frisch gebackenen Keksen. Sie nimmt einen tiefen Atemzug. So langsam kommt Weihnachtsstimmung auf. Eine melancholische Zeit. Jedes Jahr. Wieder. Sie schiebt den Regler noch ein wenig weiter. „I wanna dance with somebody“ – Acoustikversion von Rachel Brown. Gibt es in diesem Moment einen Song, der weihnachtlicher sein könnte? Unweigerlich beginnt sie, durch den Raum zu tanzen. Drei Schritte nach rechts. Tep. Drei nach links. Tep. Einen nach rechts. Eine Drehung. Ein Lächeln. Kekse verbrannt. Sie schüttet die dunkle Ladung in den Mülleimer. Und backt neue Plätzchen.

Der Himmel ist klar heute Nacht. Der Mond scheint in das Fenster. Mit Feingefühl sticht sie die nächsten Plätzchen aus dem warmen weichen Teig aus. Stück für Stück. Und legt sie behutsam auf das Backblech. Auf ihrer Kleidung zeichnen sich Spuren von Mehl ab. Kurz betrachtet sie ihr Spiegelbild in der Backofenscheibe. Ihre Augen sind von Müdigkeit gezeichnet. Aber schlafen kann sie nicht. Sie backt weiter. Sterne. Vielleicht für die Tage, an denen am Himmel keine zu sehen sind. Der süße Duft kriecht langsam in alle Ecken ihrer Wohnung. Die Straße vor dem Haus ist vom Frost weiß gezeichnet. An den Scheiben der Autos hat sich auch heute eine Eisschicht gebildet. Ob es bald schneit? Wäre schön. Sie sticht einige Schneeflocken aus. Wenn man doch nur die Welt backen könnte. Die letzten Kekse hat sie aus dem Ofen genommen. Einer hat beim Backen seine Form verändert. Eine Sternschnuppe. Vielleicht. Ein Wunsch.

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fast car mit melancholieantrieb.

…You got a fast car
I want a ticket to anywhere
Maybe we make a deal
Maybe together we can get somewhere
Any place is better
Starting from zero, got nothing to lose
Maybe we’ll make something
But me, myself, I got nothing to prove…

…singt mir Tracy Chapman seit einer guten halben Stunde immer wieder ins Herz. Und ich frage mich, wo steht dieser Wagen bloß? Ich will auch ein fast car. Ein Ticket to anywhere. Any place.

Der Kalender schreibt Januar. Der Schnee ist längst nicht mehr weiß. Die letzten Reste werden bald schmelzen. Morgen. Übermorgen. Vielleicht. So schnell er kam, löste er sich wieder im Nichts auf. Dabei hätte ich mich so gerne noch in die weiße Decke gelegt. Mehr Spuren hinterlassen. In den Himmel geschaut. Ein paar Flocken in ein Schraubglas gelegt. In der Kühltruhe aufbewahrt. Für Abende wie heute. Stattdessen Lippenstiftspuren am Weinglas.

Nichts macht mich melancholischer als Rotwein. In Verbindung mit fast car. Auch nächstes Jahr an irgendeinem Januarabend werde ich melancholisch sein. Und das Jahr darauf. Ein Naturgesetz. Ich werde mich fragen, wo dieses verdammte Auto steht. Und sollte ich es jemals finden, wird es schnell genug sein. Und dann werde ich den Tank mit Melancholie füllen. Einfach losfahren. Und den Schneeflocken hinterherjagen. Und ein paar einfangen. Nothing to lose.

 

Das kleine Mädchen. Und ihre sonderbare Tasche.

Der Wind peitscht ihr mit einer eisigen Kälte ins Gesicht. Kleine Schneeflocken hinterlassen winzige Kristalle auf ihren Wangen, ihrer Nase und Stirn, während sie kilometerweit durch die Schneedecke stapft. Eine nahezu unberührte Landschaft. Weiß, wohin das Auge reicht. Nur ihre Stiefel hinterlassen Spuren im Schnee. Die Schultern weit hochgezogen, ihr Haar leicht durchnässt. Sie trägt niemals eine Mütze. An einer zugeschneiten Haltestelle steht sie. Auf den Zug wartend, der niemals kommt. Aus ihren Augen fließt Hoffnung, tropft geräuschlos in den glitzernden Pulverschnee, nur um dann zu gefrieren. Vor sich hält sie eine kleine sonderbare Tasche. Als sie mit ihren durchfrorenen Fingern den Verschluss öffnet, strömt Frühling in ihre Welt. Die Augen geschlossen, den Mund zu einem Lächeln geformt. Irgendwo im Nirgendwo an dieser kleinen Haltestelle in eisiger Kälte hört sie das Meer rauschen.

Das kleine Mädchen. Und ihre sonderbare Tasche.

schneegezauber.

Ich sitze auf der Fensterbank, die Beine angewinkelt und wärme meine Hände an einer rosafarbenen Tasse winterlich duftenden Tees, als der erste Schnee des Jahres vom Himmel fällt. Ein besonderer Moment, vielleicht sogar ein wenig magisch, denke ich und beobachte von meinem Lieblingsplatz aus die kristallenen kleinen Flocken beim Tanzen. Mit dem ersten Schnee des Jahres bricht ein neues Kapitel an. Auch wenn das Jahr noch einige Zettel auf dem Abrisskalender zählt, so beginnt doch irgendwie eine neue Zeitrechnung. Die Hektik des Jahres legt sich. In diesem Moment ist alles ruhig. Zeitlos. Ein Hauch von Besinnlichkeit liegt in der Luft. Der Winter steht vor der Tür. So vollkommen überraschend und ohne Vorwarnung steht er da und klopft nicht einmal an. Vor wenigen Tagen noch undenkbar und ganze Gezeiten entfernt, tritt er heute ein. Schnell in die Schuhe geschlüpft laufe ich ein paar Schritte aus dem Haus. Die Welt duftet nach Schnee. Und nach Träumen. Den Kopf in den Nacken gelegt, die Augen geschlossen, stehe ich einfach nur da. Während unzählige kleine Schneeflocken meine Wangen und meine Nasenspitze kitzeln, legt sich ein Lächeln auf meine Lippen. Der Winter wird gut werden.