Wegträumen.

Es ist einer dieser lauen Sommerabende. Chill Out-Musik tönt in einer Lautstärke, die es gerade noch zulässt, Worte miteinander zu wechseln, aus den schwarzen Lautsprechern, neben denen wir kleiner aussehen, als wir sind. Dabei fühlen wir uns groß(artig). Die Nacht bricht langsam an. Bunte Lichter säumen die Meile. Unzählige Liebesschlösser zieren meterweit nostalgische Geländer. Es duftet nach Köstlichkeiten aus aller Welt. Nach Limetten. Und nach Leben. Ein warmer Windstoß fährt sanft über ihre Schultern. Der See zeigt sich von seiner schönsten Seite. Ein Glitzern auf der Wasseroberfläche. Lichtermeer. Selten war die Stimmung friedlicher. Etwas magisches liegt in der Luft. Einatmen. Ausatmen. Inne halten.

An einer der unzähligen aufgebauten schicken Bars besorgen wir uns ein paar Drinks und stoßen an. Auf das Leben. Die Freundschaft. Sie nippt an ihrem Gin Tonic. Er schmeckt irgendwie anders. Und bestellt sich bei dem Kellner den nächsten. Zwischen Menschentrauben, die einem Labyrinth gleichen, schlängeln sie sich hindurch. Der Geruch von Zigarettenqualm steigt ihr in die Nase. Begleitet von herbem Parfum und durchschwitzten Shirts. Die Tanzfläche scheint in den Grund zu versinken. Ihre Füße sind ihr immer einen Schritt voraus. So steht sie da. Inmitten all‘ dieser Menschen. Und schließt für einen Moment ihre Augen, so dass nur noch der Takt der Musik existiert. Ihr Herzschlag im Gleichklang mit dem Beat.

…lass uns die Wolke vier bitte nie mehr verlassen,

weil wir auf Wolke sieben viel zu viel verpassen

Ich war da schon ein Mal, bin zu tief gefallen,

lieber Wolke vier mit dir als unten wieder ganz allein…

Als sie die Augen wieder öffnet, läuft längst ein anderer Song. Sie ist von anderen Gesichtern umgeben. Andere Füße in anderen Paar Schuhen bewegen sich mal im Takt, mal unkontrolliert auf dem Holzboden unter ihr. Unweigerlich muss sie lächeln. Sie weiß noch, wie es geht. Sie dachte, sie hätte es längst verloren. Aber sie kann es noch. Sich wegträumen.

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