herz(kern)schmelze.

Es brennt auf den Straßen in mir drin. Rauchwolken überall. Ich sehe nichts. Kein Zurück. Kein Voraus. Feuer. Die Gedanken brennen lichterloh. Ein leises Knistern. Ich lege mich auf die Straße. Breite die Arme aus, so weit ich kann. Und lasse mich tragen. Irgendwo hin. An einen Ort, an dem es wärmer ist. An dem die Sorgen zu Staub verfallen. Ich kehre bereits die Asche in den Kamin. Es glitzert. Ich sitze einfach da. Und höre den Träumen beim Wahrwerden zu.

Das Feuer brennt noch, als ich aufwache. Hier bin ich. Hier ist alles. Hier will ich sein. Hier will ich bleiben. Ich puste den Schutt meiner Straßen mit einem kräftigen Atemzug in’s Feuer. Es flackert. Losgelöst. Ich setze mich näher an die Flammen. Schließe die Augen. Und höre mein Herz schmelzen. Alles ist so leicht. Ich will mich verlier’n.

Advertisements

himmelzählen.

Manchmal frage ich mich, wo du gerade bist

ob du wohl auch gerade im Regen stehst

in den Himmel schaust und die Sterne zählst

eins, zwei, drei, vier, bis zum Mond und zurück

komm, steigen wir in den großen Wagen und lassen uns von den Träumen tragen

und einfach mal nichts sagen

nur schweigen und den Moment genießen

und mit unseren Fingerspitzen die Konturen des Mondes nachziehen

heute gibt es kein morgen, keine Zeit und keine Sorgen

wir legen uns in den Moment und lassen uns treiben

stranden irgendwo im Nachthimmel, wo uns keiner findet und

bleiben

betrinken uns an der Musik, die nur für uns spielt

und fliegen im Takt dieser Beats

wie viele Himmel noch bis zur Unendlichkeit?

 

 

 

regen. vielleicht.

Vielleicht zeige ich dir irgendwann,
wie schön der Regen sein kann.

Während sich die Welt da draußen versteckt unter Regenschirmen schützt, laufen wir lachend durch die Pfützen. Frei und losgelöst halten wir uns lachend an den Händen. Unsere Gesichter getränkt von Träumen.

Vielleicht zeige ich dir irgendwann,
wie schön der Regen sein kann.

Die Straßen leergefegt. Brennende Lichter hinter Fensterscheiben. Trist ist drinnen. Aber wir. Wir sitzen eng umschlungen in unserem 1-Mann-Zelt im städtischen Vorgarten und hören stundenlang zu, wie uns der Regen unsere Lieblingslieder spielt.

Vielleicht zeige ich dir irgendwann,
wie schön der Regen sein kann.

Hochgezogene Mäntelkragen, getragen von schlecht gestimmten Gesichtern. Stattdessen ragen wir unsere Köpfe so hoch wie nur möglich und noch weiter in den Himmel, als uns ein kräftiger Schauer neuen Glanz in unsere Augen legt.

Vielleicht zeige ich dir irgendwann,
wie schön der Regen sein kann.

Wettervorhersage. 36 Stunden Regen. Unzählige gestrichene Pläne.
Doch wir. Wir legen unsere Kalender ins offene Fenster. Die Tinte verwischt.
Regen. Endlich.

Träume auf weißem Hintergrund.

Ich liege eng in eine graue Wolldecke eingekuschelt im Bett, als die ersten Schneeflocken des Tages am frühen Nachmittag vom Himmel fallen. Bett mit Fensterblick. Es gibt nichts schöneres, als den Wechsel der Jahreszeiten vom gemütlichsten Platz der Wohnung aus zu beobachten. Hier ist es still. Zeit zum Nachdenken. Unzählige Kissen, in die man sich hineinträumen kann. Weiße Bettwäsche, die an eine Schneedecke erinnert. Mein Blick folgt den Schneeflocken. Einige scheinen, wild umherzutanzen. Andere folgen. Ein paar dazwischen fliegen offenbar planlos durch die Luft. Unzählige kleine Träume. Wenn ich doch auch eine Schneeflocke wär… Oder zumindest die Leichtigkeit einer hätte. Eine einzelne Schneeflocke landet auf der Fensterscheibe. Mein Blick wandert an die Zimmerdecke. Hin zur weißen Papierlampe, die an eine überdimensionale Schneeflocke erinnert. Unwillkürlich muss ich lächeln. Warum ist mir das nicht schon eher in den Sinn gekommen? Schneeflocken. Das ganze Jahr über, wenn ich will.

Immer wenn es schneit, werde ich ruhiger. Weiß gibt mir ein sicheres Gefühl. Vor einem weißen Hintergrund wirkt alles klarer. Scheinbarer. Deutlicher. Selbst Liebe sieht anders aus vor einer weißen Wand. Ich träume von einem weißen Haus. Mit einer kleinen hübschen weißen Veranda, auf der jeden Abend meine Gedanken ruhen. Dem Treiben da draußen zusehen. Stille. Ich ziehe die Decke noch etwas höher. Atme den Duft der Kissen ein. Für einen kurzen Moment meine ich, den Schnee beim Fallen hören zu können. Kurze Zeit später fallen mir die Augen zu.

Mit dem Gesicht immer noch zum Fenster gerichtet wache ich wenige Stunden später auf. Es hat aufgehört, zu schneien. Ich betrachte noch einmal die Lampe. Mit einem Lächeln schiebe ich die Bettdecke beiseite.

fast car mit melancholieantrieb.

…You got a fast car
I want a ticket to anywhere
Maybe we make a deal
Maybe together we can get somewhere
Any place is better
Starting from zero, got nothing to lose
Maybe we’ll make something
But me, myself, I got nothing to prove…

…singt mir Tracy Chapman seit einer guten halben Stunde immer wieder ins Herz. Und ich frage mich, wo steht dieser Wagen bloß? Ich will auch ein fast car. Ein Ticket to anywhere. Any place.

Der Kalender schreibt Januar. Der Schnee ist längst nicht mehr weiß. Die letzten Reste werden bald schmelzen. Morgen. Übermorgen. Vielleicht. So schnell er kam, löste er sich wieder im Nichts auf. Dabei hätte ich mich so gerne noch in die weiße Decke gelegt. Mehr Spuren hinterlassen. In den Himmel geschaut. Ein paar Flocken in ein Schraubglas gelegt. In der Kühltruhe aufbewahrt. Für Abende wie heute. Stattdessen Lippenstiftspuren am Weinglas.

Nichts macht mich melancholischer als Rotwein. In Verbindung mit fast car. Auch nächstes Jahr an irgendeinem Januarabend werde ich melancholisch sein. Und das Jahr darauf. Ein Naturgesetz. Ich werde mich fragen, wo dieses verdammte Auto steht. Und sollte ich es jemals finden, wird es schnell genug sein. Und dann werde ich den Tank mit Melancholie füllen. Einfach losfahren. Und den Schneeflocken hinterherjagen. Und ein paar einfangen. Nothing to lose.

 

auch vögel ohne flügel können fliegen.

Ein leeres Blatt Papier,
ohne Worte,
sagst du.

Ein Wimpernschlag.

Ganze Meere in einem Augenblick,
doch du siehst nur trübes Wasser.

Für Träume braucht es keinen Grund.

Ein Vogel ohne Flügel,
sagst du.

Doch auch ohne Flügel lässt es sich fliegen.

Nehme all‘ die Worte,
die ich nicht finde,
zusammen.
Stapel sie aufeinander.
So erreiche auch ich die Sterne.

Mit ausgestreckten Händen,
auf Zehenspitzen tanzend,
das Herz weit,
lässt sich ein Stück Himmel berühren.

Lass‘ dich in den Moment fallen,
wir können fliegen.

damals [teil I]

Weißt du noch, damals…
Damals, als wir hoch erhobenen Hauptes mit glitzernden Kronen in unseren Haaren von heute träumten. Wir waren Träumerinnen und tanzten uns die Welt, wie sie uns gefiel. Groß wollten wir sein. Erwachsen wollten wir sein. Und unabhängig. Wir träumten von Häusern, die Märchenschlössern glichen und malten uns unseren eigenen Himmel, während wir auf unserer kleinen buntkarierten Decke im Grünen saßen. Auf dieser großen Wiese, umgeben von Gänseblümchen und dreiblättrigen Kleeblättern, die für uns vierblättrig waren, weil wir an das kleine große Glück glaubten. Dieser Fleck Erde, der nur uns gehörte. An dem immer die Sonne schien. Wolken wie Zuckerwatte. Wir badeten in Phantasie.

Weißt du noch, damals…
Damals, als wir alles teilten. Und doch alles unzertrennlich war. Alles durch 2. Für 2. Wir schrieben mit Edding an Klotüren. Freundschaft ohne Tintenkiller. Für immer. Stundenlang hockten wir zusammen auf dem Schulklo, schwiegen und trösteten unsere kleinen Herzen mit Haribo-Schlümpfen, während wir uns die Kopfhörer deines disc mans teilten und daraus in wirklich miserabler Qualität auf repeat quit playing games with my heart ertönte. Wir spielten gerne. Aber nicht mit Herzen. Wir waren so schön naiv. Irgendwann standen wir auf und liefen Hand in Hand zurück in unsere Zukunft. Wir wollten nur eins. Endlich erwachsen sein. Spiele spielen, die die Großen spielen. Bei „Tabu“ sagtest du ständig eines der Wörter, die auf dem Kärtchen standen. Wir verloren jedes Spiel. Doch das war uns egal. Wir lachten gemeinsam darüber. Solange wir uns hatten, waren wir Gewinner.

Weißt du noch, damals…
Ich hoffe, du weißt es noch.