herz(kern)schmelze.

Es brennt auf den Straßen in mir drin. Rauchwolken überall. Ich sehe nichts. Kein Zurück. Kein Voraus. Feuer. Die Gedanken brennen lichterloh. Ein leises Knistern. Ich lege mich auf die Straße. Breite die Arme aus, so weit ich kann. Und lasse mich tragen. Irgendwo hin. An einen Ort, an dem es wärmer ist. An dem die Sorgen zu Staub verfallen. Ich kehre bereits die Asche in den Kamin. Es glitzert. Ich sitze einfach da. Und höre den Träumen beim Wahrwerden zu.

Das Feuer brennt noch, als ich aufwache. Hier bin ich. Hier ist alles. Hier will ich sein. Hier will ich bleiben. Ich puste den Schutt meiner Straßen mit einem kräftigen Atemzug in’s Feuer. Es flackert. Losgelöst. Ich setze mich näher an die Flammen. Schließe die Augen. Und höre mein Herz schmelzen. Alles ist so leicht. Ich will mich verlier’n.

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weil. wir.

Der Abend ist unsere angebrochene Flasche. Morgen schmeckt der Inhalt schal. Wir lassen nichts übrig und besorgen uns am Kiosk ein paar Flaschen Bier, die wir in die guten alten Zeiten schütten. Es soll Sommer sein. Aber was sagt ein Abrisszettel auf dem Kalender schon aus. Heute sind wir ein bisschen wie damals. Oder ist es das Bier, das immer noch so schmeckt wie früher? Auch die Treppe, auf der wir sitzen, ist in die Jahre gekommen. Irgendwer hat Glitzer gestreut. Wir lachen in die Ferne. Vor uns lässt ein Typ sein selbstgebautes Motorboot im See umherkreisen. Die ranzige Deichmann-Plastiktüte funktioniert als Segel ausgezeichnet. Manche Dinge halten ewig. Musik ertönt aus einem Ghettoblaster. Dazwischen Stimmen. Gelächter. Die Sonne geht bald unter. Die schönste Zeit des Tages.

Wir laufen durch den Park. Der Himmel ist ein Kunstwerk. Ein paar Meter weiter steht eine Gruppe. Klick. Alle fotografieren mit ihren beschissenen Smartphones das gleiche beschissene Motiv, um es dann durch alle Filter zu jagen, zu #hashtagen und auf ihren Instagram-Accounts hochzuladen. Like. Like. Like. Die 168.123ste Ausführung. Der schönste Moment des Tages. Verpasst. Das Gebäude musste festgehalten werden. Ohne Foto existiert es nicht. Ist es nicht echt. Ohne Foto waren wir irgendwie nicht da. Wir müssen uns selbst davon überzeugen.

Einige Meter weiter chillt eine Menschentraube auf der Wiese. 200 Leute oder mehr. Wir realisieren erst etwas später die Stille. Niemand spricht. Nicht ein Wort. Die Gesichter blicken nach unten. Irgendwas ist da. Eine Pokemon-Arena. Herzlichen Glückwunsch! Es ist soweit. Wir reden überhaupt nicht mehr miteinander. Was ist bloß aus dieser Welt geworden? Eine Freundin verspätet sich um eine halbe Stunde. Sie musste noch #Pokemon jagen. Eine andere sagt einen Termin ab. Weil: Pokemon-Nachtwanderung. An uns fahren zwei Jugendliche mit ihren Rädern vorbei. Immer auf der Suche nach dem nächsten Pokestop. Ob die Welt wohl irgendwann ihre Schönheit verliert, weil niemand mehr zusieht?

Während andere ihren Blick nach unten gerichtet haben, schauen wir in die Sterne. Das Bier haben wir gegen Melonen-Sangrias eingetauscht. Ich spieße ein Stück Wassermelone auf und lächel vor mich hin. Die Musik ist umwerfend. Manche Momente muss man tanzen. Es ist kühl geworden. Die Zeit ist uns immer einen Schritt voraus. Wir laufen durch die City in den Morgen. Aus deinem Telefon ertönt Prinz Pi. Autos rauschen an uns vorbei. Unzählige Lichter. Lärm. Seit langem habe ich für einen Moment das Gefühl, die Stadt zu spüren. Wir atmen die Nacht. Zwischendurch springen wir. Einfach so. Und lachen.

alles wie immer (II)

Vor 6: Ich bin wach. Musik klingelt mich aus der unruhigen Nacht. Auf meinem Radiowecker steht „dream machine“. Bullshit, der mir dennoch ein Lächeln schenkt. Es ist dunkel. Mir ist kalt. Robotermodus eingeschaltet.

Vor 8: Ich stehe an der Ampel und blicke auf die Heckscheibe des mir vorausfahrenden Fahrzeugs, welche ein furchtbar hässlicher Aufkleber ziert. „Bitte Abstand halten – so gut kennen wir uns auch nicht!“ Ich bin geneigt, Vollgas zu geben und aufzufahren.

8 Minuten später: Ich stehe immer noch an der Ampel. Im Auto rechts neben mir zupft sich eine junge Frau im Rückspiegel die Augenbrauen und raucht bei geschlossenem Fenster zeitgleich eine Zigarette, während der Hintermann ein Hupkonzert veranstaltet.

Vor 9: Ich trinke den 6ten Kaffee. Stirb an einem anderen Tag. Während ich die 26 Mails im Postfach von seit-gestern-Abend durcharbeite, gesellen sich die nächsten 38 dazu.

Vor 11: Zwischen Aktenstapeln, Papierbergen und neu eingehender Post, ununterbrochenem Telefonklingeln und permanentem Klopfen an meiner Bürotür suche ich vergeblich ein Erdloch.

Vor 12: Ich muss seit mindestens 3 Stunden zur Toilette. Jetzt aber. Doch nicht. Es klingelt wieder. Und klopft. Und pop up´t auf meinem Bildschirm. Gleich. Aber wirklich.

Vor 13: Mein Magen knurrt. Schnell Kaffee Nr. 11. Und die nächsten 16 E-Mails.

Wenige Minuten später: Whats’App-Benachrichtigungen auf meinem Smartphone. „Du wurdest in die Gruppe „Mittagspäuschen, und ihr so?!“ eingeladen.“ Die anderen 6 Teilnehmer haben bereits ausschweifend geantwortet. Eine lädt ein Foto von ihrem 3-Gänge-Menü hoch. In meiner Schublade finde ich noch einen Keks von letzter Woche. Mittag.

Vor 14: Ich trainiere mir den Keks wieder ab, während ich von Etage zu Etage sprinte, um hier und da noch etwas zu besprechen.

Vor 15:  Von meinem Bürofenster aus beobachte ich, wie Dixi-Klos auf einer großen Ladefläche die Straße entlang transportiert werden. Ich renne. Und besorge mir nebenbei schnell noch einen Kaffee. Auf dem Rückweg werden mir weitere Papiere in die Hand gedrückt.

Vor 16: Ich stehe im Stau. Notiere mir nebenher ein paar Geistesblitze. Strategien. Überlegungen. Beantworte so gut es geht meine 31 ungelesenen WhatsApp-Nachrichten, 2 E-Mails, telefoniere schnell mit einer Freundin, nippe an meinem coffee-to-drive und schreibe einen Einkaufszettel.

Vor 18: Ich stehe im Supermarkt und stelle fest, dass ich den Einkaufszettel im Auto liegen lassen habe. Ich versuche, mich an die wichtigsten Dinge zu erinnern und kaufe Wein ein. An der Kasse drängelt sich eine alte Dame vor. Rentnerin sicherlich. Sie hat es eilig. Sicher keine Zeit. Die Kassiererin ist unfreundlich und hat ein Problem mit dem Scanner. Und mit der Kasse. Und mit sich selbst.

Vor 19: Es ist dunkel. Kein Parkplatz. Nach knappen 10 Minuten Fußweg erreiche ich die Wohnung. Ich schalte das Licht ein. Und den PC. Neue E-Mails überraschen mich.

Vor 20: Das Kind in der Wohnung über mir bekommt einen Tobsuchtsanfall, weil es offenbar beim Basketballspielen im Kinderzimmer den Korb nicht trifft.

20 Minuten später: Es trifft den Korb immer noch nicht.

Vor 21: Ich beantworte Mails. Suche Fehler. Korrigiere sie. Durchforste Zahlen. Schreibe nette Briefe. Böse Briefe. Arbeite nach. Und vor.

Vor 22: Kurze Pause. Ich hänge die Wäsche auf. Mache „das bisschen Haushalt“ und breche versehentlich den Korken beim Öffnen der Weinflasche ab. Ich hole einen Schraubenzieher aus der Schublade. Wie so eine Verrückte. Und genieße einen Schluck Rotwein, während der Notdienst im Treppenhaus seit einer halben Stunde krampfhaft versucht, mit einem Stahlbohrer durch den Türbeschlag der Nachbarn zu kommen.

23: Ich schalte den PC aus. Feierabend.

30 Minuten später: Ich versuche zu schlafen.

24: Ich kann nicht schlafen. Denke über die Dinge nach, die morgen, inzwischen heute, noch zu tun sind. In Gedanken bearbeite ich Akten.

01: Versuche, den Aus-Schalter des Robotermodus zu finden und stelle fest, dass es nur stand by gibt. Zeitlich begrenzt. Auf nun noch knapp 5 Stunden.

Vor 6: „Guten Morgen“ wünscht Ihnen die dream machine. Betreten Sie nun ihr Hamsterrad. Keine Sorge, es ist alles wie immer.

 

von Dingen.

Ich stehe mitten im Geschäft,  einen Zettel in der Hand haltend und frage mich, was ich hier überhaupt mache. Unzählige Begriffe umfasst die Liste. Dinge, die gebraucht werden. Dinge, die ich brauche. Die Liste abarbeitend lege ich Teil für Teil in den Einkaufswagen, der sich stetig füllt. Doch ich sehe nur Leere. Dinge, die ich (nicht) brauche. Stattdessen denke ich über die Dinge nach, die ich will. Sind diejenigen, die ich brauche auch die, die ich will? Ich will Frühling, ich wünsche mir etwas, das so süß ist, dass ich berauscht davon bin. Ich stehe vor unzähligen Blumen, die zum Verkauf angeboten werden und nehme nach und nach den Duft der einzelnen Sträuße wahr. Es fällt mir schwer, mich zu entscheiden. Am liebsten würde ich alle kaufen. Es sind sicherlich um die 40. Die Vorstellung, aus meiner Wohnung ein Blumenmeer zu kreieren, gefällt mir. Blumen stehen nicht auf meiner Liste. Dinge, die ich nicht aufschreiben brauche, weil ich sie nicht vergessen würde. Letztendlich entscheide ich mich für Tulpen. Ohnehin hätte ich mich für Tulpen entschieden, ganz egal wie wunderschön alle anderen Blumen gewesen wären. Ich lege den Strauß behutsam in den Wagen. Und bin zufrieden. Kurze Zeit später bemerke ich, wie mich ein recht attraktiver Herr beobachtet. Ich laufe weiter. Den Strauß Tulpen vor mich herschiebend.

In dem Gang, in dem die alkoholischen Getränke angeboten werden, bleibe ich stehen. Die Auswahl ist erschlagend. Ich wähle das, was ich kenne. Was ich mag. Und überlege einen Moment lang, was das wohl über mich aussagt. Entschlossen lege ich den 4-Pack des guten alten Beck’s in neuer überarbeiteter Auflage in den Wagen. Der Mann beobachtet mich immer noch. Ich bin etwas irritiert. Und schaue in seinen Einkaufswagen. Er hat offensichtlich Kinder. Und ernährt sich ziemlich gesund. Sicher ein Vegetarier. Ich hasse diese Analysen! Jeder Mensch hat so Dinge, von denen er meint, ohne sie nicht leben zu können. Auch ich. Zumindest sage ich von mir selbst, ohne sie nicht leben zu wollen. Die Sparte #NichtOhneMeineLebensmittel wird mit Abstand angeführt von einem sehr köstlichen Gebäck. Und so gesellen sich auch Cantuccini dazu. Wer schonmal richtig gute Cantuccini gegessen hat, weiß, wovon ich spreche. Am liebsten würde ich die Packung sofort aufreißen! Ich halte mich zurück und freue mich über den Anblick. Frühling in Italien mit einem kühlen Bier.

Nachdem ich die restlichen Einkäufe im Wagen platziert habe, stelle ich mich in die Warteschlange und treffe auf den Mann, der mich nach wie vor beobachtet. Es erscheint mir etwas befremdlich und ich frage ihn höflich, ob ich irgendetwas im Gesicht hätte, weil ich der Ansicht wäre, dass er mich bereits seit mehreren Gängen beobachte. Seine Antwort auf diese Frage lässt mich an eine Postkarte erinnern, die gerahmt auf meinem Schreibtisch steht. Die besten Dinge sind jene, die es für Geld nicht zu kaufen gibt.

Mit einem Lächeln lege ich die Dinge, die ich will und die Dinge, die ich (nicht) brauche auf das Kassenband.

entweder. oder nichts.

Auf der Suche nach der Mitte und der perfekten Mische. Scheitern wir an uns selbst.

Entweder wollen wir mit oder gegen den Strom schwimmen und verlieren dabei aus den Augen, dass wir für einen Moment aufhören könnten, in irgendeine Richtung zu paddeln und uns stattdessen einfach mal wieder an den Strand setzen könnten. Manchmal ist es schön, einfach zu ruhen. Sich zurückzulehnen, die Strömung vom Rand aus zu beobachten und eine Muschel zu sein. Muschel anstatt Fisch. Allein Sein statt einsam irgendwo im Schwarm zu verschwinden.

Wir wollen Extreme, ganz oder gar nicht, keine halben Sachen. Wir vergessen die Grauzone, in der es doch so herrlich bunt sein kann. Leben in schwarz/weiß, anstatt den Tuschkasten herauszukramen und unseren Himmel mit ein paar Farben bunter werden zu lassen.

Pur wollen wir. Echt wollen wir. Einzigartig und authentisch wollen wir sein. Und bei der nächstbesten Gelegenheit legen wir ein paar Instagram-Filter über die aus unserer Sicht unperfekten Bilder. Keine Makel. Keine Fehler. Nicht mal dieses kleine Lachfältchen, das so herrlich sympatisch und lebendig ist.

Wir sehnen uns nach Liebe und Anerkennung, während uns alles zu viel und nichts zu wenig ist. Eine feste Bindung ist zu fest. Eine lockere Geschichte zu locker. Unsere Anerkennung machen wir an Likes aus. An virtuellen Daumen. Während wir Tag für Tag Herzen verschenken und Hashtags unser Synonym für Liebe sind, ziehen wir immer höher werdende Zäune um unser echtes Organ, das zunehmend kleiner wird. Macht ja nichts, wir zoomen einfach ran, vergrößern den Bildausschnitt und legen zur Not halt einen Filter drüber! #Love

Wir streben nach dem ganz großen Glück. Und wundern uns, warum wir mit dauerhaft gesenktem Kopf in Richtung Smartphone nicht mal mehr die kleinen Momente wahrnehmen und erkennen können. Vielleicht liegt unser Glück ja irgendwo hinter dem Retina-Display.

Wir wollen Abenteuer und Verrücktheiten und orientieren uns tagtäglich an google maps. Bloß keine Umwege. Bloß keine Abzweigungen. Bloß nicht verlaufen. Immer nach Plan. Was ein Abenteuer!

Wir rahmen Sprüche und Weisheiten und hängen sie dann an unsere Wände. „Lebe deine Träume und träume nicht dein Leben“ – und während die Farbe am Rahmen bereits bröckelt und das Bild schief hängt, träumen wir unser Leben. Und kaufen einen neuen Rahmen für den nächsten Spruch.

Wir wollen mutig sein und hoch hinaus. Wir springen von Klippen, klettern Wände entlang und springen aus Flugzeugen aber unser eigener Schatten, der ist uns zu hoch.

Wir wollen Macher sein, versagen aber bereits beim Reden.
Denn wir haben ja keine Zeit. Und keine Kapazitäten. Für dieses eine Leben.

Genervt

Manchmal wäre ich gern rebellisch. Träume vom Aufstand, von einem überdimensionalen Podest in den Wolken, auf dem ich stolz stehe, Brust rein, Bauch raus und meine Meinung raushaue. Aber so richtig. Ich denke, ich wäre eine ziemlich krasse klasse Rebellin. Ich trage aus Prinzip immer XXL-Kopfhörer, aus denen sehr laut Elektromusik tönt. Auch wenn jemand mit mir spricht. Zwischendurch läuft ein Song von Philipp Poisel aber dann wieder Elektro. Während mein Trommelfell bereits das 28ste Mal geplatzt ist, stehe ich dort oben, dance ab bis die Wolken wieder lila sind und spreche mit ner Mate in der einen und nem Äffchen in der anderen Hand durch eine Sonnenblume zum Volk:

Ich bin genervt! 

Bin genervt vom Klimawandel und von Öltankern, die ihre Giftabfälle im Meer entsorgen.

Bin genervt von Steuernichtrückerstattungen und Steuererhöhungen und Steuern im Allgemeinen. 

Bin genervt von Schubladendenkern und von feindseliger Haltung und Hass gegenüber Flüchtlingen. 

Ich bin genervt von Statusmeldungen auf Facebook, außer es sind meine eigenen.

Bin genervt von Wespen und Mücken und Tauben und den Geräuschen, die Wespen und Mücken und Tauben machen. 

Ich bin genervt von der Tatsache, dass immer noch so viele Menschen Hunger leiden müssen und keine ärztliche Versorgung bekommen. 

Ich bin genervt von der Oberflächlichkeit und von der Konsumgeilheit unserer Gesellschaft.

Ich bin genervt von Schreibfehlern in Menükarten.

Bin genervt von Menschen, die jeden ihrer Sätze mit drei Punkten beenden…

Bin genervt von Werbung im Allgemeinen. 

Bin genervt von Menschen, die dir vor die Füße laufen und Menschen, die mitten auf dem GEH!Weg einfach stehen bleiben. 

Bin genervt von der Bildzeitung und der Bild am Sonntag und der Bild generell, obwohl ich Bilder mag.

Bin genervt von Verspätungen der Deutschen Bahn, obwohl ich Zuverlässigkeit schätze.

Bin genervt von zu spät ankommenden Paketen, obwohl ich auch gerne mal streiken würde.

Bin genervt von Warteschleifen und Warteschleifenmusik, außer es läuft „Time of my life“ aus Dirty dancing. Dann will ich mit niemandem mehr sprechen und lege wütend auf, wenn man mich mit einem „Guten Tag. Mein Name ist Cindy Müller, was kann ich für Sie tun?“ aus meinen Tagträumen (Ich während der Wasserfigur auf Patrick Swayze) rausreißt. Herrgott nochmal.

Bin genervt von Smartphones und Tablets und MacBooks und iWatches und hätte auch gerne alles davon.

Bin genervt von der Fönhitze, während ich mir die Haare mit dem Fön trockne und von meinen Haaren bin ich generell auch genervt.

Bin genervt von Bürokratie, E-Mails, die man beantworten muss und der Rückgewinnungshotline von Vodafone.

Bin genervt von Fahrkartenautomaten, die neumodisch jetzt Ticketpoints heißen, und in denen dieses eine Eurostück immer drei Mal durchfällt und ich daher die Bahn verpasse, weil ich mit dem Eurostück so lange auf einer metallenen Fläche reibe, bis sich langsam die Oberfläche ablöst.

Bin genervt von stinkenden Menschen, die sich generell direkt neben mich setzen, obwohl 26 andere Plätze frei sind.

Bin genervt vom Wasser, das sich regelmäßig an der Kühlschrankinnenwand sammelt und mich dazu nötigt, das Gerät abzutauen.

Bin genervt, dass Siri kein Nutellabrot schmieren kann.

Bin genervt von Pfandflaschen, die im Pfandflaschenautomaten nicht als Pfand  anerkannt werden und davon, dass der Pfandflaschenautomat so gut wie immer defekt oder voll ist, wenn ich mein Pfand wegbringen will. 

Bin genervt von Essgeräuschen und Schlürfgeräuschen. 

Bin genervt von Tastentönen und Klingeltönen und Weckerklingeln. 

Bin genervt von Eselsohren in Büchern.

Bin genervt von falschen Lächeln, von falschen Freunden, falschen Entscheidungen, falschen Fingernägeln und dem Wort „falsch“ an sich sowieso.

Bin genervt von Radiosendern, weil dort zu 99% keine Musik mehr läuft, sondern nur noch Werbung. Hatte ich schon gesagt, dass ich von Werbung genervt bin?

Am meisten aber bin ich genervt von Menschen, die andauernd genervt sind.