herz(kern)schmelze.

Es brennt auf den Straßen in mir drin. Rauchwolken überall. Ich sehe nichts. Kein Zurück. Kein Voraus. Feuer. Die Gedanken brennen lichterloh. Ein leises Knistern. Ich lege mich auf die Straße. Breite die Arme aus, so weit ich kann. Und lasse mich tragen. Irgendwo hin. An einen Ort, an dem es wärmer ist. An dem die Sorgen zu Staub verfallen. Ich kehre bereits die Asche in den Kamin. Es glitzert. Ich sitze einfach da. Und höre den Träumen beim Wahrwerden zu.

Das Feuer brennt noch, als ich aufwache. Hier bin ich. Hier ist alles. Hier will ich sein. Hier will ich bleiben. Ich puste den Schutt meiner Straßen mit einem kräftigen Atemzug in’s Feuer. Es flackert. Losgelöst. Ich setze mich näher an die Flammen. Schließe die Augen. Und höre mein Herz schmelzen. Alles ist so leicht. Ich will mich verlier’n.

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mood.

Der Zeiger der großen hölzernen Wanduhr tickt. Tick Tack. Tick Tack. Tick Tack. Sie stellt die Musik lauter. Wenn man dann die Augen schließt, steht die Zeit still. Es duftet nach frisch gebackenen Keksen. Sie nimmt einen tiefen Atemzug. So langsam kommt Weihnachtsstimmung auf. Eine melancholische Zeit. Jedes Jahr. Wieder. Sie schiebt den Regler noch ein wenig weiter. „I wanna dance with somebody“ – Acoustikversion von Rachel Brown. Gibt es in diesem Moment einen Song, der weihnachtlicher sein könnte? Unweigerlich beginnt sie, durch den Raum zu tanzen. Drei Schritte nach rechts. Tep. Drei nach links. Tep. Einen nach rechts. Eine Drehung. Ein Lächeln. Kekse verbrannt. Sie schüttet die dunkle Ladung in den Mülleimer. Und backt neue Plätzchen.

Der Himmel ist klar heute Nacht. Der Mond scheint in das Fenster. Mit Feingefühl sticht sie die nächsten Plätzchen aus dem warmen weichen Teig aus. Stück für Stück. Und legt sie behutsam auf das Backblech. Auf ihrer Kleidung zeichnen sich Spuren von Mehl ab. Kurz betrachtet sie ihr Spiegelbild in der Backofenscheibe. Ihre Augen sind von Müdigkeit gezeichnet. Aber schlafen kann sie nicht. Sie backt weiter. Sterne. Vielleicht für die Tage, an denen am Himmel keine zu sehen sind. Der süße Duft kriecht langsam in alle Ecken ihrer Wohnung. Die Straße vor dem Haus ist vom Frost weiß gezeichnet. An den Scheiben der Autos hat sich auch heute eine Eisschicht gebildet. Ob es bald schneit? Wäre schön. Sie sticht einige Schneeflocken aus. Wenn man doch nur die Welt backen könnte. Die letzten Kekse hat sie aus dem Ofen genommen. Einer hat beim Backen seine Form verändert. Eine Sternschnuppe. Vielleicht. Ein Wunsch.

himmelzählen.

Manchmal frage ich mich, wo du gerade bist

ob du wohl auch gerade im Regen stehst

in den Himmel schaust und die Sterne zählst

eins, zwei, drei, vier, bis zum Mond und zurück

komm, steigen wir in den großen Wagen und lassen uns von den Träumen tragen

und einfach mal nichts sagen

nur schweigen und den Moment genießen

und mit unseren Fingerspitzen die Konturen des Mondes nachziehen

heute gibt es kein morgen, keine Zeit und keine Sorgen

wir legen uns in den Moment und lassen uns treiben

stranden irgendwo im Nachthimmel, wo uns keiner findet und

bleiben

betrinken uns an der Musik, die nur für uns spielt

und fliegen im Takt dieser Beats

wie viele Himmel noch bis zur Unendlichkeit?

 

 

 

Es ist der 31ste Herbst. Den Sommer vermisse ich nicht. Aber ich freue mich auch nicht auf den Winter. Ich bin ein Herbstkind. Geboren im goldenen Oktober. Und trage Silber. Kein Pullover kann mich wärmen. Selbst der dickste Mantel ist zu dünn. Die Kälte ist unerträglich. Ich bin (k)ein Herbstkind. Ich mag die Farben der Blätter, die draußen gerade – jetzt in diesem Moment – von den Bäumen fallen. Ich schließe die Augen und höre sie fallen. Blatt für Blatt. Ich trage schwarz. Ich bin kein Herbstkind. Ich bin die Jahreszeiten. Ich blühe auf. Verbrenne. Falle. Und gefriere. Es ist immer wieder dasselbe. Es ist unmöglich, alles auf einmal zu sein. Oder beständig zu sein. Die Dinge kommen und gehen. Der Wind legt sich kalt in meinen Nacken. Ich ziehe die Schultern an und laufe die Herzwände hoch. Sind wir schon da?

nachts ist alles möglich.

Ich schreibe mir die Nächte um die Ohren. Die Worte, die meinem Herzen entspringen, sind fühlbar. Spürbar. Millimeter für Millimeter kann ich jeden einzelnen Buchstaben, jedes Satzzeichen, auf dem Weg über meine Schultern bis hin zu meinen Armen und Handgelenken bis über meine Fingerspitzen, die sich dann auf die Tatstatur legen, fühlen.

Die Wände sind weiß. Meine Hände bluten, weil ich nicht weiß, wohin mit all den Zeilen. Ganze Wohnhäuser könnte ich bemalen. Vielleicht wären es auch bloß Punkte, die funkeln würden wie Sterne, bei dem Versuch, mich zur Sprache zu bringen. Ich öffne ein neues Dokument. In Sekundenschnelle habe ich mehrere Seiten gefülllt. Wirrwarr. Niemand, der versteht, was geschrieben steht. Eine Sprache, die noch nicht erfunden ist. Worte, für die es keine gibt. Meine Hieroglyphen werden musikalisch unterstützt. In den Noten liegt die Antwort. Man muss nur hinhören.

Ich höre immer wieder den gleichen Song. Und schlage mir die Nächte um die Ohren. Es sind die Töne, diese aberfeinen Klänge, die ausdrücken, was für scheinbar alle nicht entzifferbar geschrieben steht. Ich schließe die Augen. Alles ist klar. Sobald ich die Instrumente höre, kehrt innerliche Ruhe ein. Ich höre die Musik noch lange, nachdem sie ausgeschaltet ist. Manchmal spiele ich nachts auf der Gitarre die Sterne nach.