weil. wir.

Der Abend ist unsere angebrochene Flasche. Morgen schmeckt der Inhalt schal. Wir lassen nichts übrig und besorgen uns am Kiosk ein paar Flaschen Bier, die wir in die guten alten Zeiten schütten. Es soll Sommer sein. Aber was sagt ein Abrisszettel auf dem Kalender schon aus. Heute sind wir ein bisschen wie damals. Oder ist es das Bier, das immer noch so schmeckt wie früher? Auch die Treppe, auf der wir sitzen, ist in die Jahre gekommen. Irgendwer hat Glitzer gestreut. Wir lachen in die Ferne. Vor uns lässt ein Typ sein selbstgebautes Motorboot im See umherkreisen. Die ranzige Deichmann-Plastiktüte funktioniert als Segel ausgezeichnet. Manche Dinge halten ewig. Musik ertönt aus einem Ghettoblaster. Dazwischen Stimmen. Gelächter. Die Sonne geht bald unter. Die schönste Zeit des Tages.

Wir laufen durch den Park. Der Himmel ist ein Kunstwerk. Ein paar Meter weiter steht eine Gruppe. Klick. Alle fotografieren mit ihren beschissenen Smartphones das gleiche beschissene Motiv, um es dann durch alle Filter zu jagen, zu #hashtagen und auf ihren Instagram-Accounts hochzuladen. Like. Like. Like. Die 168.123ste Ausführung. Der schönste Moment des Tages. Verpasst. Das Gebäude musste festgehalten werden. Ohne Foto existiert es nicht. Ist es nicht echt. Ohne Foto waren wir irgendwie nicht da. Wir müssen uns selbst davon überzeugen.

Einige Meter weiter chillt eine Menschentraube auf der Wiese. 200 Leute oder mehr. Wir realisieren erst etwas später die Stille. Niemand spricht. Nicht ein Wort. Die Gesichter blicken nach unten. Irgendwas ist da. Eine Pokemon-Arena. Herzlichen Glückwunsch! Es ist soweit. Wir reden überhaupt nicht mehr miteinander. Was ist bloß aus dieser Welt geworden? Eine Freundin verspätet sich um eine halbe Stunde. Sie musste noch #Pokemon jagen. Eine andere sagt einen Termin ab. Weil: Pokemon-Nachtwanderung. An uns fahren zwei Jugendliche mit ihren Rädern vorbei. Immer auf der Suche nach dem nächsten Pokestop. Ob die Welt wohl irgendwann ihre Schönheit verliert, weil niemand mehr zusieht?

Während andere ihren Blick nach unten gerichtet haben, schauen wir in die Sterne. Das Bier haben wir gegen Melonen-Sangrias eingetauscht. Ich spieße ein Stück Wassermelone auf und lächel vor mich hin. Die Musik ist umwerfend. Manche Momente muss man tanzen. Es ist kühl geworden. Die Zeit ist uns immer einen Schritt voraus. Wir laufen durch die City in den Morgen. Aus deinem Telefon ertönt Prinz Pi. Autos rauschen an uns vorbei. Unzählige Lichter. Lärm. Seit langem habe ich für einen Moment das Gefühl, die Stadt zu spüren. Wir atmen die Nacht. Zwischendurch springen wir. Einfach so. Und lachen.

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glück.

5 Buchstaben. In der Definition heißt es „…besonders günstiger Zufall, erfreuliche Fügung des Schicksals.“ Aber kann Glück wirklich definiert werden? Pauschalisiert werden? Ist Glück messbar?

Wir suchen alle nach dem Glück. Streben nach Glück. Dem ganz großen Glück. Glück als Ist-Zustand. Doch scheitert dieser Wunsch nicht bereits an seiner Definition? Besonders günstige Zufälle bleiben Zufälle. Zufälle gibt es nicht am laufenden Band. Zufälle sind besonders. Würden Zufälle von Montags bis Sonntags 24/7 verfügbar sein, wären es keine Zufälle mehr. Also kann Glück kein Ist-Zustand sein. Oder doch? Dauerhaftes Glück – eine Unmöglichkeit? Bliebe noch die erfreuliche Fügung des Schicksals. Oder man wirft einfach alle Definitionen und das Schicksal über den Haufen. Glück ist eine subjektive Wahrnehmung. Es ist wie mit der Liebe. Schwer in Worte zu fassen. Schwer zu beschreiben. Fühlen. Das ist vielleicht der Schlüssel. Zum Glück. Und Schlösser hängen überall. Wenn man nur die Augen öffnet.

Du fragst mich „Bist du glücklich?“ Ich könnte jetzt weit ausholen. Mich in Begründungen versuchen. Und würde kläglich an der Beantwortung dieser Frage scheitern. Heute, jetzt, hier, in diesem Moment – ja, da bin ich glücklich. Morgen früh um 06:27 Uhr würde meine Antwort vielleicht anders lauten. Und übernächste Woche Freitag vielleicht wieder anders. Ich weiß es nicht. Aber was ich weiß ist, dass Glück diese kleinen manchmal unscheinbaren Momente sind, kurze Augenblicke, Begegnungen, eine liebevolle Geste. Ich sage dir, Glück ist…

…wenn du nach einem verdammten Scheisstag das Radio anstellst und dein Lieblingssong läuft

…wenn sich in der S-Bahn an einem verregneten Tag auf einmal Sonne und mit ihr ein Regenbogen am Himmel zeigt

…wenn dir nur ein kleines Wort ein Lächeln ins Gesicht zaubert

…wenn du herzlich über dich selbst lachen kannst, nachdem du ins Fettnäppchen getreten bist

…wenn in der Haribo Colorado-Tüte ein paar Frösche mehr drin sind als sonst

…ein langersehntes Wiedersehen

…ein Flügelschlag

…Lachen bis zum Bauchweh

…ein kleines Erfolgserlebenis

…Aufmerksamkeit

…teilbar

…Augen zu haben, die sehen, wahrnehmen und beobachten können

…Beine zu haben, die laufen, springen, hüpfen, tanzen und rennen können

…Hände zu haben, die berühren, fühlen, geben und halten können

…ein Herz zu besitzen, das Wärme schenken, Empathie empfinden, Liebe geben, fühlen, schlagen, rasen und klopfen kann

Glück ist.