herz(kern)schmelze.

Es brennt auf den Straßen in mir drin. Rauchwolken überall. Ich sehe nichts. Kein Zurück. Kein Voraus. Feuer. Die Gedanken brennen lichterloh. Ein leises Knistern. Ich lege mich auf die Straße. Breite die Arme aus, so weit ich kann. Und lasse mich tragen. Irgendwo hin. An einen Ort, an dem es wärmer ist. An dem die Sorgen zu Staub verfallen. Ich kehre bereits die Asche in den Kamin. Es glitzert. Ich sitze einfach da. Und höre den Träumen beim Wahrwerden zu.

Das Feuer brennt noch, als ich aufwache. Hier bin ich. Hier ist alles. Hier will ich sein. Hier will ich bleiben. Ich puste den Schutt meiner Straßen mit einem kräftigen Atemzug in’s Feuer. Es flackert. Losgelöst. Ich setze mich näher an die Flammen. Schließe die Augen. Und höre mein Herz schmelzen. Alles ist so leicht. Ich will mich verlier’n.

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auf regen folgt sonnenschein.

Oft sind es die traurigen Geschichten, die wahr sind…

Gestern Abend las ich vor dem Einschlafen ein Buch. Das mache ich sehr oft. Lesen gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Aber das weißt du nicht. Diesen Monat ist es das vierte Buch. Es ist eine traurige Geschichte. Sie ist wahr. Eine Passage erinnerte mich an dich. Nein. Ich erinnere mich nicht an dich. Diese wenigen Zeilen erinnerten mich an das, was nie war. Vergangene Nacht hatte ich einen schlimmen Albtraum. Ich war froh, als der Wecker heute früh um 05:00 Uhr klingelte. Es ist bereits Vormittag. Trotzdem. Die Gespenster wollen nicht aus meinem Kopf. Ich trinke inzwischen den dritten Kaffee.

Ein einziges Mal habe ich mich gefragt, warum du gegangen bist. Doch wäre eine Antwort keine Erklärung gewesen. Für mich nicht. Danach habe ich aufgehört, an dich zu denken. Aber ein großes Fragezeichen schwirrt gelegentlich in meinem Kopf herum. Wie ich wohl wäre, wenn du wärst. Wenn du geblieben wärst. Meistens schwemmt der Regen diese Frage an. Heute morgen hat es stark geregnet. Mein Mantel war vollkommen durchnässt. Ich hing ihn an eine Garderobe. Als ich meinen Blick dorthin habe schweifen lassen, konnte ich die Fragen den schwarzen schweren Stoff heruntertröpfeln sehen. Ich habe den Mantel weggelegt. Die Fragen aber blieben.

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Ich frage mich, ob du noch weißt, dass du mich geboren hast. Ob ich jemals deinen Herzschlag hören konnte. Durfte. Ob du mich eine Sekunde lang geliebt hast. Oder war an dieser einen kleinen Stelle in deiner Brust von Anfang an ein Loch aus Eis? Ohne Herz kein Leben. Ich frage mich, ob du schon immer tot warst.

Du hast mich einfach ausgetauscht. Wie ein kaputtes Spielzeug, das es nicht mehr zu reparieren lohnt. Ob du wohl jemals mit mir gespielt hast?

Weißt du eigentlich, wie es ist, nie einen Geburtstagskuchen gebacken zu bekommen?
Weißt du eigentlich, wie es ist, kein Kind sein zu dürfen?
Weißt du eigentilch, wie es ist, zu fallen, ohne aufgefangen zu werden?
Weißt du eigentlich, wie es ist, nie eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt zu bekommen?
Weißt du eigentlich, wie es ist, nie getröstet zu werden?
Weißt du eigentlich, wie es ist, bei Schulaufführungen immer die einzige zu sein, deren Eltern nicht im Schulsaal sitzen?
Weißt du eigentlich, wie es ist, nie Worte wie „Ich bin stolz auf dich!“ oder „Alles wird gut!“ zu hören?
Weißt du eigentlich, wie es ist, allein zu sein?
Weißt du eigentlich, wie es ist…
Weißt du eigentlich, wie es…
Weißt du eigentlich, wie…
Weißt du eigentlich…
Weißt du…
Weißt…

..
.

Nein. Das weißt du nicht. Aber ich bin dir nicht mal böse. Ich hasse dich auch nicht. Ich habe nichts für dich übrig. Nicht mal ein winzig kleines Gefühl. Da ist einfach nur nichts. Ein Loch. Aus Eis.

Ich frage mich, was das wohl über mich aussagt. Was man nie hatte, kann man auch nie vermissen. Stimmt wohl. Oder auch nicht. Sag niemals nie.

Ich lese weiter im Buch. Wir haben alle eine Wahl. Immer. Wie wir sein wollen. Wer wir sein wollen. Wie wir uns entscheiden. Aber stimmt das wirklich? Wird nicht der Grundstein unseres Seins und allen daraus resultierenden Entscheidungen in unseren jungen Jahren gelegt? Wir leben. Ja. Sammeln Erfahrungen. Entwickeln Ansichten, Meinungen und Tendenzen. Und auch Neigungen und Referenzen. Aber können wir ändern, wie wir sind? Vielleicht können wir für uns verinnerlichen, wer wir nicht sein wollen. Wie wir nicht handeln möchten. Und aus dem nicht entsteht dann ein doch. Und irgendwie werden wir dann sein.

Ich habe keinen Maßstab. Ich habe nur mein Herz.

Es regnet immer noch.
Auf Regen folgt auch wieder Sonnenschein.