damals (teil II)

Weißt du noch, damals…
Damals, als unser Leben Jahrmarkt war.
Bunt und laut und voller Glitzerlichter.
Keine Nacht zu lang.
Kein Weg zu weit.
Wir tragen die Welt.
Allzeit bereit.
Für ein paar Flausen.
Einfach mal ohne „was wäre wenn“,
ohne „morgen“,
ohne Plan.
Wir leben im hier und jetzt.
Sammeln ein paar Augenblicke
für unsere Rucksäcke aus Zucker
und streuen dann Konfetti drüber.
Steig‘ ein
und fahr im Glücksmomentkarussell bis dir schwindlig wird.
Heute ist nicht mal Fliegen schöner.
Unsere Herzen tragen wir heute stolz in die Welt hinaus.
Ja heute kaufen wir Glückslose.
Rosafarbene Zuckerwatte.
Und basteln Träume draus.
„Gewinne, Gewinne, Gewinne…“
Ich schieße eine Plastikrose.
Nie hat Kitsch so geduftet.
Das Rad dreht sich langsam.
Zeitlupenromantik.
Wir können überall sein.
Hoch hinaus.
Jetzt und hier.
Haltestelle Himmel gleich links.
Barfuß auf Wolken tanzen.
Handstand.
Neue Perspektive.
Die Fahrt geht weiter.
Heute. Ja heute schnallen wir uns nicht an.
„Freiheit“ auf deinem Glückslos.
Es duftet süßlich nach gebrannten Mandeln.
Weißt du noch, damals…

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damals [teil I]

Weißt du noch, damals…
Damals, als wir hoch erhobenen Hauptes mit glitzernden Kronen in unseren Haaren von heute träumten. Wir waren Träumerinnen und tanzten uns die Welt, wie sie uns gefiel. Groß wollten wir sein. Erwachsen wollten wir sein. Und unabhängig. Wir träumten von Häusern, die Märchenschlössern glichen und malten uns unseren eigenen Himmel, während wir auf unserer kleinen buntkarierten Decke im Grünen saßen. Auf dieser großen Wiese, umgeben von Gänseblümchen und dreiblättrigen Kleeblättern, die für uns vierblättrig waren, weil wir an das kleine große Glück glaubten. Dieser Fleck Erde, der nur uns gehörte. An dem immer die Sonne schien. Wolken wie Zuckerwatte. Wir badeten in Phantasie.

Weißt du noch, damals…
Damals, als wir alles teilten. Und doch alles unzertrennlich war. Alles durch 2. Für 2. Wir schrieben mit Edding an Klotüren. Freundschaft ohne Tintenkiller. Für immer. Stundenlang hockten wir zusammen auf dem Schulklo, schwiegen und trösteten unsere kleinen Herzen mit Haribo-Schlümpfen, während wir uns die Kopfhörer deines disc mans teilten und daraus in wirklich miserabler Qualität auf repeat quit playing games with my heart ertönte. Wir spielten gerne. Aber nicht mit Herzen. Wir waren so schön naiv. Irgendwann standen wir auf und liefen Hand in Hand zurück in unsere Zukunft. Wir wollten nur eins. Endlich erwachsen sein. Spiele spielen, die die Großen spielen. Bei „Tabu“ sagtest du ständig eines der Wörter, die auf dem Kärtchen standen. Wir verloren jedes Spiel. Doch das war uns egal. Wir lachten gemeinsam darüber. Solange wir uns hatten, waren wir Gewinner.

Weißt du noch, damals…
Ich hoffe, du weißt es noch.