glück.

5 Buchstaben. In der Definition heißt es „…besonders günstiger Zufall, erfreuliche Fügung des Schicksals.“ Aber kann Glück wirklich definiert werden? Pauschalisiert werden? Ist Glück messbar?

Wir suchen alle nach dem Glück. Streben nach Glück. Dem ganz großen Glück. Glück als Ist-Zustand. Doch scheitert dieser Wunsch nicht bereits an seiner Definition? Besonders günstige Zufälle bleiben Zufälle. Zufälle gibt es nicht am laufenden Band. Zufälle sind besonders. Würden Zufälle von Montags bis Sonntags 24/7 verfügbar sein, wären es keine Zufälle mehr. Also kann Glück kein Ist-Zustand sein. Oder doch? Dauerhaftes Glück – eine Unmöglichkeit? Bliebe noch die erfreuliche Fügung des Schicksals. Oder man wirft einfach alle Definitionen und das Schicksal über den Haufen. Glück ist eine subjektive Wahrnehmung. Es ist wie mit der Liebe. Schwer in Worte zu fassen. Schwer zu beschreiben. Fühlen. Das ist vielleicht der Schlüssel. Zum Glück. Und Schlösser hängen überall. Wenn man nur die Augen öffnet.

Du fragst mich „Bist du glücklich?“ Ich könnte jetzt weit ausholen. Mich in Begründungen versuchen. Und würde kläglich an der Beantwortung dieser Frage scheitern. Heute, jetzt, hier, in diesem Moment – ja, da bin ich glücklich. Morgen früh um 06:27 Uhr würde meine Antwort vielleicht anders lauten. Und übernächste Woche Freitag vielleicht wieder anders. Ich weiß es nicht. Aber was ich weiß ist, dass Glück diese kleinen manchmal unscheinbaren Momente sind, kurze Augenblicke, Begegnungen, eine liebevolle Geste. Ich sage dir, Glück ist…

…wenn du nach einem verdammten Scheisstag das Radio anstellst und dein Lieblingssong läuft

…wenn sich in der S-Bahn an einem verregneten Tag auf einmal Sonne und mit ihr ein Regenbogen am Himmel zeigt

…wenn dir nur ein kleines Wort ein Lächeln ins Gesicht zaubert

…wenn du herzlich über dich selbst lachen kannst, nachdem du ins Fettnäppchen getreten bist

…wenn in der Haribo Colorado-Tüte ein paar Frösche mehr drin sind als sonst

…ein langersehntes Wiedersehen

…ein Flügelschlag

…Lachen bis zum Bauchweh

…ein kleines Erfolgserlebenis

…Aufmerksamkeit

…teilbar

…Augen zu haben, die sehen, wahrnehmen und beobachten können

…Beine zu haben, die laufen, springen, hüpfen, tanzen und rennen können

…Hände zu haben, die berühren, fühlen, geben und halten können

…ein Herz zu besitzen, das Wärme schenken, Empathie empfinden, Liebe geben, fühlen, schlagen, rasen und klopfen kann

Glück ist.

entweder. oder nichts.

Auf der Suche nach der Mitte und der perfekten Mische. Scheitern wir an uns selbst.

Entweder wollen wir mit oder gegen den Strom schwimmen und verlieren dabei aus den Augen, dass wir für einen Moment aufhören könnten, in irgendeine Richtung zu paddeln und uns stattdessen einfach mal wieder an den Strand setzen könnten. Manchmal ist es schön, einfach zu ruhen. Sich zurückzulehnen, die Strömung vom Rand aus zu beobachten und eine Muschel zu sein. Muschel anstatt Fisch. Allein Sein statt einsam irgendwo im Schwarm zu verschwinden.

Wir wollen Extreme, ganz oder gar nicht, keine halben Sachen. Wir vergessen die Grauzone, in der es doch so herrlich bunt sein kann. Leben in schwarz/weiß, anstatt den Tuschkasten herauszukramen und unseren Himmel mit ein paar Farben bunter werden zu lassen.

Pur wollen wir. Echt wollen wir. Einzigartig und authentisch wollen wir sein. Und bei der nächstbesten Gelegenheit legen wir ein paar Instagram-Filter über die aus unserer Sicht unperfekten Bilder. Keine Makel. Keine Fehler. Nicht mal dieses kleine Lachfältchen, das so herrlich sympatisch und lebendig ist.

Wir sehnen uns nach Liebe und Anerkennung, während uns alles zu viel und nichts zu wenig ist. Eine feste Bindung ist zu fest. Eine lockere Geschichte zu locker. Unsere Anerkennung machen wir an Likes aus. An virtuellen Daumen. Während wir Tag für Tag Herzen verschenken und Hashtags unser Synonym für Liebe sind, ziehen wir immer höher werdende Zäune um unser echtes Organ, das zunehmend kleiner wird. Macht ja nichts, wir zoomen einfach ran, vergrößern den Bildausschnitt und legen zur Not halt einen Filter drüber! #Love

Wir streben nach dem ganz großen Glück. Und wundern uns, warum wir mit dauerhaft gesenktem Kopf in Richtung Smartphone nicht mal mehr die kleinen Momente wahrnehmen und erkennen können. Vielleicht liegt unser Glück ja irgendwo hinter dem Retina-Display.

Wir wollen Abenteuer und Verrücktheiten und orientieren uns tagtäglich an google maps. Bloß keine Umwege. Bloß keine Abzweigungen. Bloß nicht verlaufen. Immer nach Plan. Was ein Abenteuer!

Wir rahmen Sprüche und Weisheiten und hängen sie dann an unsere Wände. „Lebe deine Träume und träume nicht dein Leben“ – und während die Farbe am Rahmen bereits bröckelt und das Bild schief hängt, träumen wir unser Leben. Und kaufen einen neuen Rahmen für den nächsten Spruch.

Wir wollen mutig sein und hoch hinaus. Wir springen von Klippen, klettern Wände entlang und springen aus Flugzeugen aber unser eigener Schatten, der ist uns zu hoch.

Wir wollen Macher sein, versagen aber bereits beim Reden.
Denn wir haben ja keine Zeit. Und keine Kapazitäten. Für dieses eine Leben.

frühling.

So steh ich hier
vor dir
mit leeren Händen
und vollem Herzen
im Dreivierteltakt
während die Nacht
mich verschlingt
prasselt der Regen
leise an meinem randvoll
gefüllten Herzen ab
in meinen Händen
die Sterne
in meinen Augen die Ferne
in der Nähe wächst
mitten im Dunkeln
Frühling

freitagabendblues.

Warten. Während die Tage schneller an mir vorbeiziehen, als ich das Wort „Zeit“ überhaupt aussprechen kann, warte ich innerlich. Ich warte ständig auf etwas. Auf den Feierabend, der niemals kommt, weil ich nicht abschalten kann. Auf den Tag, an dem ich mich endlich selbst finde, auf den Zug, der niemals einfährt, auf den 6er im Lotto, obwohl ich nie einen Schein ausfülle, auf Anrufe, die ich nicht entgegennehme, weil ich entweder keine Zeit oder habe. Meine Gedanken teilen sich jede Millisekunde mit weiteren Gedanken und enden in winzig kleinen Partikeln, die morgen schon nicht mehr aufzufinden sind. Es sind zu viele. Runde Gedanken, die überall anecken. Zu viele „to do’s“. Dabei brauche ich manchmal dont’s. Vielleicht habe ich es verlernt, einfach mal nichts zu tun. Vielleicht konnte ich es aber auch noch nie. Ich sehne mich nach Ruhe. Nach Stille. Heimweh nach mir selbst. Ich warte im Dunkeln auf die Sonne. Vielleicht bin ich zu jung, um mir dieser Reise, die sich Leben nennt, bewusst zu sein. Während die Jahre wie Sand durch meine Finger rinnen, versuche ich krampfhaft, ein paar Körner einzufangen. Doppelseitiges Klebeband, an dem oftmals nichts weiter haften bleibt als die Zeichen der Zeit. Doch irgendwo dazwischen kleben Erinnerungen. Kleine Momente, die jeden Sturm überleben. Augenblicke, auf die es sich zu warten lohnt. Tiefe über die Weite hinweg. Das ist alles, was ich will.