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Regentropfen

Unzählige kleine Regentropfen prasseln leise an alte Fensterscheiben.
Suchen sich ihren Weg.
Tropfen werden Meer.
Und wenn du die Augen schließt, hört sich der Regen an wie Applaus.

Leere Funktionisten.

Ich.

Ich bin nicht einfach gestrickt.

Bestehe aus unendlichen Maschen, die ineinander laufen,

versuchen, sich in der nächsten Masche zu verankern, ein klares Muster zu ergeben und sich dabei immer weiter und weiter ineinander verknoten und weiter verknoten. Und weiter. Verknoten.

Kein harmonisches Gesamtbild und auch kein Muster, kein Bild an sich,

vielmehr eine ungleichmäßige Kontur

einer viel zu großen Laufmasche, in der Laufen nahezu unmöglich ist.

Ich bin ein Name.

Bin bloß ein Name. Ein Wort.

Ich bin Buchstaben, die nicht zueinander passen.

Eine vorgefertigte alphabetische Hülle aus Vokalen und Konsonanten, die man mir ungefragt gegeben hat.

Zu viele Buchstaben, die viel zu viel viel zu wenig Klang haben.

Doch sind es nur Buchstaben. Die im Endeffekt nichts anderes als Zahlen sind. Bloße Zahlen die wir brauchen, weil wir nunmal Zahlen mögen. Weil wir mit Zahlen besser umgehen können als mit Gefühlen.

Und wer braucht schon Gefühle, wenn er Buchstaben haben kann?

Ich bin sozusagen der Gegensatz von Gefühl.

Dabei fühl‘ ich so viel. Und so wenig zugleich.

Ich bin das Und.

Das Oder und vielleicht das Vielleicht.

Oder auch nichts dergleichen.

Ich bin Träumerin.

Ich träume davon, wie sich Ankommen anhört.

Vielleicht wie das rauhe Rauschen des Meeres oder das sanfte Rascheln von Laub.

Ich träume davon, wie sich Ankommen anfühlt.

Wie die ersten Sonnenstrahlen des Jahres, die sanft auf der Haut kitzeln oder wie ein warmer Sommerregen, dessen zarte Tropfen sich in den Nacken legen.

Vielleicht werde ich nie ankommen,

vielleicht bin ich nie losgelaufen,

vielleicht kann ich mich nicht fortbewegen, stecke fest im Treibsand des Lebens

und bin nicht mal fähig, unterzugehen,

weil ich feststecke wie ein einbetonierter Ziegelstein in einer alten Mauer.

Aber ich bin kein Stein.

Dabei wäre ich gern dieser Stein, denn dann wär‘ ich umgeben von anderen Steinen,

fest verankert und könnte nicht fallen.

Doch dieser Stein bin ich nicht.

Und auch nicht die Mauer.

Bin kein Sonnenstrahl und auch kein Regenschauer.

Weder schwarz noch weiß und auch keine Grauzone.

Ich bin nicht Liebe und nicht Schmerz,

bin nicht Kopf und auch nicht Herz,

bin nicht Schlüssel und auch nicht Schloss,

ich bin nicht ich aber auch nicht wer anders.

Bin nicht das Bild aber auch nicht der Rahmen.

Bin die Leere dazwischen.

Ich bin eine Funktion.

Eine Funktion, die funktioniert und aus der ich nicht rauskomme.

Komme nicht raus aus meiner Haut,

stecke aber auch nicht in ihr.

Wenn ich Berge seh‘, will ich ans Meer.

Spüre ich Sonne, sehne ich mich nach Schnee,

Ist es laut, vermiss ich die Stille, doch die Stille ertrag ich dann nicht.

Hab ich Pizza, will ich Pasta,

es ist immer wieder dasselbe Raster.

Ich kann mich nicht entscheiden,

soll ich gehen oder bleiben?

Nicht ist mir zu wenig und alles zu viel.

Ich bin der Inbegriff der Gegensätzlichkeit,

das vs., der Widerspruch in der Widersprüchlichkeit,

die Minder- und die Mehrheit zugleich

und doch nichts von alledem.