herz(kern)schmelze.

Es brennt auf den Straßen in mir drin. Rauchwolken überall. Ich sehe nichts. Kein Zurück. Kein Voraus. Feuer. Die Gedanken brennen lichterloh. Ein leises Knistern. Ich lege mich auf die Straße. Breite die Arme aus, so weit ich kann. Und lasse mich tragen. Irgendwo hin. An einen Ort, an dem es wärmer ist. An dem die Sorgen zu Staub verfallen. Ich kehre bereits die Asche in den Kamin. Es glitzert. Ich sitze einfach da. Und höre den Träumen beim Wahrwerden zu.

Das Feuer brennt noch, als ich aufwache. Hier bin ich. Hier ist alles. Hier will ich sein. Hier will ich bleiben. Ich puste den Schutt meiner Straßen mit einem kräftigen Atemzug in’s Feuer. Es flackert. Losgelöst. Ich setze mich näher an die Flammen. Schließe die Augen. Und höre mein Herz schmelzen. Alles ist so leicht. Ich will mich verlier’n.

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frühling.

So steh ich hier
vor dir
mit leeren Händen
und vollem Herzen
im Dreivierteltakt
während die Nacht
mich verschlingt
prasselt der Regen
leise an meinem randvoll
gefüllten Herzen ab
in meinen Händen
die Sterne
in meinen Augen die Ferne
in der Nähe wächst
mitten im Dunkeln
Frühling

ein hauch.

ein Hauch Sehnsucht
ein winzig kleiner Hauch
einer Krone gleich
in der heute
Träume von morgen aufschäumen
winzig kleine Partikel Glück
ein Hauch Hoffnung
vom Meer angespült
warme Gedanken
im glasklaren Wasser
irgendwo strandend
zwischen Ebbe und Flut
ein kleiner Traum
ein Spiegelbild
auf der Oberfläche
der Melancholie
auf dem Grund ein Hauch
von einem Glitzern

seitenwechsel.

Schlag‘ das Leben auf.
Wie ein Buch.
Blättere vor und zurück.
Nächstes Kapitel.
Heute times new roman.
Kursiv und fett.
Morgen comic sans.
Ständiger Wechsel.
Mal Lyrik.
Mal Prosa.
Mal Witz.
Mal Drama.
Finde die Stelle nicht.
Bis der Einband bricht.
In tausende Teile.
Buchstabenwirrwarr.
Wo war ich nochmal?
Nächstes Kapitel.
Immer auf der Suche.
Nach Zeichen.
Auf abgenutzten Seiten.
Doch zwischen den Zeilen.
Spuren von Glück.
Mach‘ das Herz weit.
Bereit.
Für ein neues Buch.
Denk‘ an ein Lesezeichen.

worttreiben.

Vereinzelt treiben Worte
zwischen ziegelroten Blättern
durch die Nacht
ein Windstoß
wirbelt Buchstaben umher
heute tragen Gedanken Flügel
landen sanft auf Wegen
eingehüllt in den Duft des Herbstes
Erinnerungen sitzen mit hochgezogenen Mänteln
auf der alten Parkbank
im schwachen Licht der Straßenlaternen
ein Glitzern

Sein.

Komm, lass‘ uns ans Meer fahr’n.
Lass uns ausbrechen, an verlassenen Bahnsteigen stehen und abfahrenden Zügen zusehen.
Lass‘ uns in Melancholie versinken und am hellichten Tag Sterne am Himmel finden.
Und sie vom Himmel holen.
Lege sie dir zu Füßen.
Lass‘ uns alles aus der Bahn werfen und uns dazu legen,
Lass‘ uns grauen Tagen trotzen und den Himmel bunt malen, während wir Hand in Hand durch Pfützen hüpfen.
Lass‘ uns all die Sorgen und Ängste ablegen und hoch hinaus über unsere Schatten springen.
Lass‘ uns im Regen tanzen und auf dem Wasser laufen,
auf die höchsten Bäume klettern und die Aussicht genießen, während unsere Gedanken wie erste Knospen im Frühling auf Blumenwiesen sprießen.
Lass‘ uns keine Pläne schmieden
und auch keine Erwartungen erfüllen und stattdessen einfach den Moment leben.
Lass‘ uns demaskieren,
Mauern einreißen,
lass uns Fassaden durchbrechen und dahinter verzauberte Orte, an denen Traumtänzerinnen zu dem Takt unserer Herzen ihren Tanz tanzen, finden.
Lass‘ uns jede einzelne Note der Musik fühlen und sie sanft mit unseren Fingerspitzen berühren.
Lass‘ uns ins Wasser fallen und auf Wellen treiben.
Lass uns auf Herzrasen stranden und dort bis zum Sonnenuntergang bleiben.
Lass‘ uns den Horizont berühren und den Sommerwind auf unserer Haut spüren.
Lass‘ uns das Leben atmen,
die Welt mit dem Herzen sehen,
lass‘ uns Luftschlösser in Wolken bauen, in denen unsere Träume leben, die wir dann leben.
Lass‘ uns sein.
So wie wir sind und so bleiben.
Und ans Meer fahr’n.
Komm, lass‘ uns ans Meer fahr ’n.