entweder. oder nichts.

Auf der Suche nach der Mitte und der perfekten Mische. Scheitern wir an uns selbst.

Entweder wollen wir mit oder gegen den Strom schwimmen und verlieren dabei aus den Augen, dass wir für einen Moment aufhören könnten, in irgendeine Richtung zu paddeln und uns stattdessen einfach mal wieder an den Strand setzen könnten. Manchmal ist es schön, einfach zu ruhen. Sich zurückzulehnen, die Strömung vom Rand aus zu beobachten und eine Muschel zu sein. Muschel anstatt Fisch. Allein Sein statt einsam irgendwo im Schwarm zu verschwinden.

Wir wollen Extreme, ganz oder gar nicht, keine halben Sachen. Wir vergessen die Grauzone, in der es doch so herrlich bunt sein kann. Leben in schwarz/weiß, anstatt den Tuschkasten herauszukramen und unseren Himmel mit ein paar Farben bunter werden zu lassen.

Pur wollen wir. Echt wollen wir. Einzigartig und authentisch wollen wir sein. Und bei der nächstbesten Gelegenheit legen wir ein paar Instagram-Filter über die aus unserer Sicht unperfekten Bilder. Keine Makel. Keine Fehler. Nicht mal dieses kleine Lachfältchen, das so herrlich sympatisch und lebendig ist.

Wir sehnen uns nach Liebe und Anerkennung, während uns alles zu viel und nichts zu wenig ist. Eine feste Bindung ist zu fest. Eine lockere Geschichte zu locker. Unsere Anerkennung machen wir an Likes aus. An virtuellen Daumen. Während wir Tag für Tag Herzen verschenken und Hashtags unser Synonym für Liebe sind, ziehen wir immer höher werdende Zäune um unser echtes Organ, das zunehmend kleiner wird. Macht ja nichts, wir zoomen einfach ran, vergrößern den Bildausschnitt und legen zur Not halt einen Filter drüber! #Love

Wir streben nach dem ganz großen Glück. Und wundern uns, warum wir mit dauerhaft gesenktem Kopf in Richtung Smartphone nicht mal mehr die kleinen Momente wahrnehmen und erkennen können. Vielleicht liegt unser Glück ja irgendwo hinter dem Retina-Display.

Wir wollen Abenteuer und Verrücktheiten und orientieren uns tagtäglich an google maps. Bloß keine Umwege. Bloß keine Abzweigungen. Bloß nicht verlaufen. Immer nach Plan. Was ein Abenteuer!

Wir rahmen Sprüche und Weisheiten und hängen sie dann an unsere Wände. „Lebe deine Träume und träume nicht dein Leben“ – und während die Farbe am Rahmen bereits bröckelt und das Bild schief hängt, träumen wir unser Leben. Und kaufen einen neuen Rahmen für den nächsten Spruch.

Wir wollen mutig sein und hoch hinaus. Wir springen von Klippen, klettern Wände entlang und springen aus Flugzeugen aber unser eigener Schatten, der ist uns zu hoch.

Wir wollen Macher sein, versagen aber bereits beim Reden.
Denn wir haben ja keine Zeit. Und keine Kapazitäten. Für dieses eine Leben.

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19 Gedanken zu “entweder. oder nichts.

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