Das kleine Mädchen. Und ihre sonderbare Tasche.

Der Wind peitscht ihr mit einer eisigen Kälte ins Gesicht. Kleine Schneeflocken hinterlassen winzige Kristalle auf ihren Wangen, ihrer Nase und Stirn, während sie kilometerweit durch die Schneedecke stapft. Eine nahezu unberührte Landschaft. Weiß, wohin das Auge reicht. Nur ihre Stiefel hinterlassen Spuren im Schnee. Die Schultern weit hochgezogen, ihr Haar leicht durchnässt. Sie trägt niemals eine Mütze. An einer zugeschneiten Haltestelle steht sie. Auf den Zug wartend, der niemals kommt. Aus ihren Augen fließt Hoffnung, tropft geräuschlos in den glitzernden Pulverschnee, nur um dann zu gefrieren. Vor sich hält sie eine kleine sonderbare Tasche. Als sie mit ihren durchfrorenen Fingern den Verschluss öffnet, strömt Frühling in ihre Welt. Die Augen geschlossen, den Mund zu einem Lächeln geformt. Irgendwo im Nirgendwo an dieser kleinen Haltestelle in eisiger Kälte hört sie das Meer rauschen.

Das kleine Mädchen. Und ihre sonderbare Tasche.

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first love.

Musik.
Meine erste große Liebe.
Es gibt sie.
Diese eine Leidenschaft,
die ewig anhält.
Dieses eine „für immer und ewig“
Verrückt nach dieser einen Liebe.

Ich steige ins Auto.
Freiheit hinter verschlossenen Türen.
Lautstärke auf Maximum.
Und noch viel weiter.
Ich singe mit.
Mit allem, was ich habe.
Maximum plus.
Ein Lächeln.
Noch eines.
Ich bin sicher.
Hier will ich nie wieder weg.

Trete das Gaspedal tiefer.
Die Welt da draußen wird größer.
Kleiner zugleich.
Weiter.
Alles ist nah.
Fern zugleich.
Lichter. Menschen. Autos.
Irgendwo dazwischen ich.
Berauscht.
Von diesem einen Moment.

Längst bin ich am Ziel.
Aussteigen unmöglich.
Der Song läuft noch.
Ich drehe noch ein paar Runden.
Noch eine.
Nur um jede einzelne Zeile,
jeden noch so kleinen Ton,
aufzusaugen.

Der Song ist zu Ende.
Ich steige aus.
Drehe mich noch einmal um.
In dem Wissen, dass dies kein Abschied ist.
Immer noch mit diesem einen Lächeln.

Der Morgen danach.

Es scheint einen kurzen Moment lang, als würden Welten zwischen Tagen liegen. Leere Sekt- und Bierflaschen teilen sich mit ebenso leeren Tonic-Water-, Wein-, Ouzo- und Ginflaschen einen übergroßen Platz in der Küche. Hier und da ein wenig Konfetti. Schmutziges Geschirr. Überbleibsel. Der Morgen trägt eine feine, leicht wahrzunehmende Brise rauchiger Nacht in das Heute. Wenig später liegt nichts mehr in der Luft. Ausgelöscht. Alles auf 0. Aber irgendwie auch nicht.

Fremde Vorsätze, auf kleinen Post its notiert, kleben an Fensterscheiben.

Dieses Jahr werde ich mich gesünder ernähren.
Dieses Jahr werde ich mehr (oder überhaupt mal) auf mein Bauchgefühl hören.
Dieses Jahr werde ich meine Steuererklärung für 2014 abgeben.
Dieses Jahr werde ich mich sozial engagieren.
Dieses Jahr werde ich meine Kontakte mehr pflegen.
Dieses Jahr werde ich.
Dieses Jahr werde.
Dieses Jahr.
Dieses.
Dieses Jahr aber wirklich!

Vorsätze, die leicht verbraucht schmecken. Fad und trocken wie das Brötchen vom Vortag, das am nächsten Tag doch im Mülleimer landet. Immer wieder die gleichen Vorsätze, nur um sie am letzten Tag des Jahres in das nächste zu tragen.

Wenige Stunden zuvor. Nach ein paar Drinks wirkt selbst der aberkleinste Funke, den das Steichholz beim Entzünden wirft, wie das schönste Feuerwerk. In dieser Nacht ist im nächsten Jahr alles möglich. Auch ich schaue in den Himmel. Werfe ein paar Täume hinauf in der Hoffnung, dass Glitzer draus wird.

Doch Silvester ist nicht mehr als ein durchschnittlicher one night stand. Ein schöner Abend. In netter Gesellschaft. Feucht fröhlich, am Ende mit einer Explosion, wenn man etwas Glück hat. Am Morgen danach werden die Spuren verwischt. Vielleicht haben wir Glück und behalten eine schöne Nacht in Erinnerung. Und dann gehen wir unsere Wege.

Ich habe keine Vorsätze für dieses Jahr. Auch nicht für das nächste. Oder für 2038.

Leben wäre schön.
Ein bisschen mehr Sein.
Ein bisschen mehr lächeln.