Das kleine Mädchen. Und ihre sonderbare Tasche.

Der Wind peitscht ihr mit einer eisigen Kälte ins Gesicht. Kleine Schneeflocken hinterlassen winzige Kristalle auf ihren Wangen, ihrer Nase und Stirn, während sie kilometerweit durch die Schneedecke stapft. Eine nahezu unberührte Landschaft. Weiß, wohin das Auge reicht. Nur ihre Stiefel hinterlassen Spuren im Schnee. Die Schultern weit hochgezogen, ihr Haar leicht durchnässt. Sie trägt niemals eine Mütze. An einer zugeschneiten Haltestelle steht sie. Auf den Zug wartend, der niemals kommt. Aus ihren Augen fließt Hoffnung, tropft geräuschlos in den glitzernden Pulverschnee, nur um dann zu gefrieren. Vor sich hält sie eine kleine sonderbare Tasche. Als sie mit ihren durchfrorenen Fingern den Verschluss öffnet, strömt Frühling in ihre Welt. Die Augen geschlossen, den Mund zu einem Lächeln geformt. Irgendwo im Nirgendwo an dieser kleinen Haltestelle in eisiger Kälte hört sie das Meer rauschen.

Das kleine Mädchen. Und ihre sonderbare Tasche.

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11 Gedanken zu “Das kleine Mädchen. Und ihre sonderbare Tasche.

  1. Oh, das ist schön! Auch schön schnörkellos, dennoch poetisch geschrieben. So behutsam auch die Wortwahl.
    Was sich wohl in der sonderbaren Tasche des kleinen Mädchens befinden mag? Bei „strömen“ und „Frühling“ dachte ich zunächst an einen frischen, warmen und hoffnungsvollen Duft. Dann ist vom Rauschen des Meeres die Rede und ich sehe dessen Strömung und eine große, wohlgeformte Muschel in der Tasche. Oder verwandelt sich gar die Winterlandschaft um sie herum langsam zu einem riesigen Ozean? Hm. Wohl nicht. Sonst stünd’s ja da.
    Gott, bin ich eine Interpretationsniete!

    Dennoch bin ich sehr gern in deine kleine Skizze ein- und auch abgetaucht.

    Gefällt 1 Person

  2. Eine wunderwunderschöne Geschichte! Sie spielt regelrecht mit unserer Fantasie, zeigt uns Bilder, die wir auschmücken und weiterdenken können. Schöne Metaphern und sehr geheimnisvoll…

    Ganz liebe Grüße zum Samstagnachmittag von
    Marlis

    Gefällt 1 Person

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