ein hauch.

ein Hauch Sehnsucht
ein winzig kleiner Hauch
einer Krone gleich
in der heute
Träume von morgen aufschäumen
winzig kleine Partikel Glück
ein Hauch Hoffnung
vom Meer angespült
warme Gedanken
im glasklaren Wasser
irgendwo strandend
zwischen Ebbe und Flut
ein kleiner Traum
ein Spiegelbild
auf der Oberfläche
der Melancholie
auf dem Grund ein Hauch
von einem Glitzern

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verknotete knotenscheiße.

Es gibt einige wenige Dinge, die mich an den Rand der Verzweiflung treiben. Alle Jahre wieder gesellt sich ein weiteres Ding dazu. Bedauerlicherweise existiert auf meiner roten Liste kein Ausgleich. Die Dinge nehmen nicht ab, es kommen stetig neue hinzu. Im Job bin ich Expertin für das Lösen komplexer Sachverhalte. Nicht nur in der Theorie. Im Privatleben scheitere ich an eher simplen Dingen. Dem Leben zum Beispiel. Da ist er dann doch, dieser Ausgleich.

Meine Hass-Liste wird auch in diesem Jahr wieder (und wieder und wieder) von diesem einen Ding angeführt. Der LICHTERKETTE. Es bleibt mir ein Rätsel, wie sich in 5 Meter Länge gefühlte 47 Trillionen Knoten bilden können. Also mir geht da kein Licht auf. Verzeihen Sie diesen Wortwitz. Er ist schlecht. Aber für schlechte Witze leuchtet meine Ampel grün. Wo wir gleich zu Platz 2 kommen. Der Tanne. Googelt man Weihnachten, so findet man schnell die Assoziation „Besinnlichkeit“. Wie schön. Man kann sich vorstellen, wie besinnlich es wohl sein mag, 2 Stunden fluchend an dem Entfrumseln einer Lichterkette zu sitzen, sich drölfzigtausend mal beim Anbringen eben dieser Lichterkette an den Nadeln der besinnlichen Nordmanntanne zu pieksen, um dann nach 3 Stunden festzustellen, dass die Hälfte der Lämpchen an dieser scheiß Kette nicht leuchtet. Das macht dann wohl die inzwischen hellrot leuchtende Gesichtsfarbe wieder wett.

Zum Teufel mit dieser Lichterkette. Und dem Baum. Nächstes Jahr hämmere ich einfach 50 Nägel in die Wand und hänge die Kugeln daran auf. Besinnlichkeit 2.0 – so geht das!

Und jetzt erstmal ein Bier.

300g.

Es braucht nicht viel zum Glücklichsein. Auf das Wesentliche heruntergebrochen lässt sich Glück an einer Hand abzählen. Wie lautet der Refrain eines aktuellen Radio-Dauerbrenners so schön

…eines Tages fällt dir auf
dass du 99% nicht brauchst
Du nimmst all den Ballast
und schmeisst ihn weg
Denn es reist sich besser
mit leichtem Gepäck…

Leider lässt sich so mancher Ballast nicht einfach wegschmeißen. Manche Dinge gehören auf den Sondermüll. Und der Resthof hat nur beschränkte Öffnungszeiten. Anderes wird wiederverwertet. Simpel. Der nächste trägt den Ballast des ersten auf. Weg ist der Ballast also nicht wirklich.

In Gedanken packe ich meinen Koffer. So wie damals. Ich packe meinen Koffer und nehme mit… Vor einiger Zeit hätte ein ganzer Kleinwagen nicht gereicht. Heute wiegt mein Koffer 300 g. Leicht. Schwer. Wie auch immer man es betrachten mag. Die wirklich wichtigen Dinge können in Herzen mitgetragen werden. In Herzen passen unheimlich viele Dinge. Faszinierend. So klein und doch so groß. Vielleicht sollten wir einfach losziehen. Hier und jetzt. Herz dabei. Hände frei.

(m)ein song.

Dieser eine Song.
Irgendwann haben wir alle diesen einen Song.
Der im Herzen auf Dauerschleife läuft.
Während das Leben in hohen Wellen schwankt,
die Gedanken zu ertrinken drohen,
ist dieser eine Song dein Hafen.
Wenn der Wind so stark ist
und du dich nicht mehr halten kannst,
ist diese eine Melodie dein Mast.
Musik an. Welt aus.
Du hältst dich fest an Lyrics.
Lässt dich in die Klänge fallen.
Schließt die Augen.
Und alles ist irgendwie gut.

stumme schreie.

Montag. Dienstag. Mittwoch. Donnerstag. Freitag. Samstag. Sonntag. Manche Tage sind bloße Zusammensetzungen aus einzelnen Buchstaben. Wie Würfel. Jeder Wert wiederholt sich, es kommt nur darauf an, wie oft du würfelst. Immer wieder.
Andere Tage tragen Farben. Mal blau. Mal schwarz. Mal gelb. Mal rot. Heute trägt der Abend rot. Dezember. Viel zu warm für diese Jahreszeit. Kann es jemals zu warm sein? Es kommt auf die Perspektive an.

Ich sitze auf dem Balkon. Ohne Socken. Ein Glas Rotwein steht auf dem Tisch. Manche Dunkelheit verschluckt keine Farben. Aus einem Altenheim, das ein paar Häuserblocks weiter steht, ertönen Schreie. „Hilfe…“ tönt es so laut, dass mir der Unterton der männlichen Stimme einen kleinen Stich versetzt. „Hilfe…“ immer wieder. Offenbar hör niemand hin. Der alte Mann schreit weiter. Manchmal kann man schreien, so laut man will. Und so lange die Kraft dafür reicht. Es hört doch niemand zu. Ein Zug rauscht vorbei. Das Rattern der Räder auf den Schienen lässt die Schreie im Keim ersticken. Als würde eine größere Kraft den alten Mann verhöhnen. Ja, es gibt immer irgendwen oder irgendwas, das lauter ist als du. Vielleicht heißt es ja deshalb „stummer Schrei nach Liebe?“

Kurze Zeit später Stille. Fast unerträglich. Ich will schreien. Und doch bleibe ich stumm. Zu leise für das Leben? Oder zu laut? Ein Kontrast. Ein Handstand im Dunkeln. Die Perspektive ändert sich nicht. Vielleicht ändert sich der Wert, wenn die Würfel in andere Hände gelangen.

Ich schenke nach.

Zwei Stimmen sind lauter als eine.