damals [teil I]

Weißt du noch, damals…
Damals, als wir hoch erhobenen Hauptes mit glitzernden Kronen in unseren Haaren von heute träumten. Wir waren Träumerinnen und tanzten uns die Welt, wie sie uns gefiel. Groß wollten wir sein. Erwachsen wollten wir sein. Und unabhängig. Wir träumten von Häusern, die Märchenschlössern glichen und malten uns unseren eigenen Himmel, während wir auf unserer kleinen buntkarierten Decke im Grünen saßen. Auf dieser großen Wiese, umgeben von Gänseblümchen und dreiblättrigen Kleeblättern, die für uns vierblättrig waren, weil wir an das kleine große Glück glaubten. Dieser Fleck Erde, der nur uns gehörte. An dem immer die Sonne schien. Wolken wie Zuckerwatte. Wir badeten in Phantasie.

Weißt du noch, damals…
Damals, als wir alles teilten. Und doch alles unzertrennlich war. Alles durch 2. Für 2. Wir schrieben mit Edding an Klotüren. Freundschaft ohne Tintenkiller. Für immer. Stundenlang hockten wir zusammen auf dem Schulklo, schwiegen und trösteten unsere kleinen Herzen mit Haribo-Schlümpfen, während wir uns die Kopfhörer deines disc mans teilten und daraus in wirklich miserabler Qualität auf repeat quit playing games with my heart ertönte. Wir spielten gerne. Aber nicht mit Herzen. Wir waren so schön naiv. Irgendwann standen wir auf und liefen Hand in Hand zurück in unsere Zukunft. Wir wollten nur eins. Endlich erwachsen sein. Spiele spielen, die die Großen spielen. Bei „Tabu“ sagtest du ständig eines der Wörter, die auf dem Kärtchen standen. Wir verloren jedes Spiel. Doch das war uns egal. Wir lachten gemeinsam darüber. Solange wir uns hatten, waren wir Gewinner.

Weißt du noch, damals…
Ich hoffe, du weißt es noch.

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