Aussicht.

Es ist dunkel da draußen. Und kalt. Menschen kommen und gehen. Ziehen durch das Viertel, ohne den Blick zu heben. Schultern werden unter schweren schwarzen Mänteln hochgezogen. Der Weg scheint mit schweren Gedanken asphaltiert zu sein. Alles friert. Bei 20 Grad. Geisterstadt. Nur die Straße lebt. Alles ist still. Kein Lachen. Kein Wort. Kein Atemzug. Weit in der Ferne ist ein leises Rascheln zu erahnen. Vielleicht ein paar Worte, die am Wegesrand vergessen wurden, bevor die Stille die Stadt verschlungen hat. Silhouetten laufen aneinander vorbei. Es scheint, als wären die Seelen weitergezogen. Ob sie die Hüllen absichtlich dort gelassen hatten? Ein schwarzer Hut wird von einem Windstoß durch die Luft gewirbelt. Schnelllebigkeit. Ob ihn wohl jemand vermisst? Einige Meter weiter fällt er sanft auf den Asphalt. Die Stille bricht
für Sekunden. Das letzte Überbleibsel. Irgendwann gab es hier Leben. Wo ist bloß all‘ die Liebe hin?

Sie sitzt auf der anderen Seite des Fensters. Manchmal dringt die Kälte von draußen durch das alte Holz. Der Rahmen erkaltet. Die Scheiben gefrieren. Sie hält es fest verschlossen, das Fenster. Und schaut hinaus. Geisterstadt.

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4 Gedanken zu “Aussicht.

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