Aussicht.

Es ist dunkel da draußen. Und kalt. Menschen kommen und gehen. Ziehen durch das Viertel, ohne den Blick zu heben. Schultern werden unter schweren schwarzen Mänteln hochgezogen. Der Weg scheint mit schweren Gedanken asphaltiert zu sein. Alles friert. Bei 20 Grad. Geisterstadt. Nur die Straße lebt. Alles ist still. Kein Lachen. Kein Wort. Kein Atemzug. Weit in der Ferne ist ein leises Rascheln zu erahnen. Vielleicht ein paar Worte, die am Wegesrand vergessen wurden, bevor die Stille die Stadt verschlungen hat. Silhouetten laufen aneinander vorbei. Es scheint, als wären die Seelen weitergezogen. Ob sie die Hüllen absichtlich dort gelassen hatten? Ein schwarzer Hut wird von einem Windstoß durch die Luft gewirbelt. Schnelllebigkeit. Ob ihn wohl jemand vermisst? Einige Meter weiter fällt er sanft auf den Asphalt. Die Stille bricht
für Sekunden. Das letzte Überbleibsel. Irgendwann gab es hier Leben. Wo ist bloß all‘ die Liebe hin?

Sie sitzt auf der anderen Seite des Fensters. Manchmal dringt die Kälte von draußen durch das alte Holz. Der Rahmen erkaltet. Die Scheiben gefrieren. Sie hält es fest verschlossen, das Fenster. Und schaut hinaus. Geisterstadt.

Laufträumen.

20:00 Uhr. Eine Zeit, die ihr liegt. Zu früh, um zu schlafen. Zu spät für eigentlich nichts. Die beste Zeit des Tages. Im Sommer, wenn die Hitze des Tages langsam abklingt, es aber noch warm genug ist, um stundenlang barfuß auf der Veranda zu sitzen, bis es dunkel wird. Und auch im Winter, wenn in den Fenstern der Straßen reihenweise die Lichter angehen, während draußen winzig kleine Schneeflocken vom Himmel herabfallen, um dann irgendwann lautlos den Boden zu berühren. Aber auch im Frühling und im Herbst. 20:00 Uhr ist ihre 4-Jahreszeiten-Zeit. Der anstrengende Teil des Tages ist vorüber. Erlebtes ist geschehen. Die Uhren laufen langsamer. Zeit zu träumen ist jetzt.

Ein kurzer Blick in den Spiegel. Dann zieht sie die Schnürsenkel ihrer Schuhe stramm. Eine Art Metapher. Einen kurzen Moment lang hält sie die Zügel ihres Lebens fest in der Hand. Und lässt dann los. Um loszulaufen.

Lauf. Lauf. Lauf.

Sie läuft. So schnell sie kann. Die Richtung ist egal. Hauptsache in Bewegung bleiben. Der Weg ist das Ziel. Durch ihre Adern fließt Musik.

…and we build up castles in the sky and in the sand

design our own world ain’t nobody understand
I found myself alive
in the palm of your hand
as long as we are flyin‘
All this world ain’t got no end…

Sie läuft auf jeder einzelnen Note. Läuft ihre eigene Melodie. Den Soundtrack ihres Lebens. Sie braucht keine schnellen Beats, um voranzukommen. Ihre Beine tragen sie bis ans Ende der Welt und noch ein Stück weiter. Ihre Sinne sind geschärft. Ihre Sohlen hinterlassen Abdrücke auf der feuchten dunklen Erde. Zwischen dem saftigen Grün duftet es nach Träumen. Zwischen prächtigen Baumkronen suchen sich die letzten warmen Strahlen der Abendsonne ihren Weg in ihr Gesicht. Eine Lichtung. Ein Lächeln.

Alles ist bunt. Rauscht. Sie ist berauscht. Vom Leben. Alles ist echt, wenn sie läuft. An den Baumstämmen ranken Gedanken empor. Vom Himmel fallen Sterne auf ihre Schultern. Laufen ist ihr Fühlen. Sie will nicht anhalten. Nicht jetzt. Nicht in diesem Moment. Es ist, als ziehe nicht das Leben an ihr vorbei. Es ist sie, die am Leben vorbei zieht. Und dabei das Tempo selbst bestimmt. Schneller. Sie läuft schneller als ihr Herz schlägt. Jede Woche ein kleines Stück weiter. Einen Meter. Zentimeter. In der Hoffnung, irgendwann bei sich selbst anzukommen.

Morgen läuft sie wieder. Morgen ist wieder 20:00 Uhr.

Vorgefühl.

Ich bin wie eine Fahne von Fernen umgeben.
Ich ahne die Winde, die kommen und muss sie leben,
während die Dinge unten sich noch nicht rühren:
die Türen schließen noch sanft, und in den Kaminen ist Stille;
die Fenster zittern noch nicht, und der Staub ist noch schwer.

Da weiß ich die Stürme schon und bin erregt wie das Meer.
Und breite mich aus und falle in mich hinein
und werfe mich ab und bin ganz allein
in dem großen Sturm.

[R. M. Rilke]

Danke!

Kürzlich wurde ich von Nora Hier geht’s zum Blog von Nora für den Liebsten Blog Award nominiert. Vielen Dank liebe Nora! Dafür, dass du meine Texte liest, mir unzählige nette Kommentare und Grüße hinterlässt. Ich bin immer wieder erstaunt, dass es Menschen gibt, die mein Zeug lesen, meinen kleinen Blog verfolgen und mir Anregungen und Denkanstöße geben und sogar Lob hinterlassen. So möchte ich die Gelegenheit gerne nutzen, und auch allen anderen, die meine Texte lesen, Danke sagen. Mit einer solchen Resonanz habe ich nicht gerechnet. Also: DANKE euch allen!

Gerne mache ich bei der Aktion mit, um auch andere Blogs bekannter zu machen. Das ist das Ziel dieses virtuellen Kettenbriefes (eigentlich bin ich genervt von Kettenbriefen aber das ist eine andere Sache).

Nun zur Beantwortung der Fragen von Nora:

Erde oder Luft?

Fliegen ist nur so schön, wie der Ort, an dem man irgendwann wieder landen kann.

An welchen Dingen erfreust du dich?

Es sind Momente, an denen ich mich erfreuen kann. Besondere Augenblicke, manchmal nur so kurz wie ein Flügelschlag. Musik. Und selbstverständlich die bedingungslose Liebe und das herzliche Lachen meiner Kinder.

Ironie oder Ernsthaftigkeit?

Oder!

Welches ist deine Traumstadt? 

Wenn es für mich eine Traumstadt gibt, habe ich sie noch nicht gefunden. Amsterdam ist wunderschön. Und Rom fasziniert mich. Und ich liebe Berlin.

Traum oder Wirklichkeit?  

Was wäre unsere Wirklichkeit ohne Träume?

Was wären unsere Träume ohne Wirklichkeit?

Wodurch zeichnet sich für dich ein perfekter Tag aus?

Erst aufstehen müssen, wenn einem danach ist wäre schön. Und Spontanität. Zeit für ein paar Flausen. Und Abends auf das höchste Dach der Stadt klettern, um bis in die Morgenstunden rotweintrinkend über Gott und die Welt zu philosophieren, während im Hintergrund meine Lieblingslieder gesungen und mit der Gitarre begleitet werden. Hach ja.

Matratze oder Hängematte?

Egal, hauptsache liegend!

Was bedeutet dir das Bloggen?

Schreiben bereitet mir großen Spaß. Es ist eine Art Puffer und auch ein Ventil, vielleicht auch ein Weg, um mich selbst zu finden.

Für welche Wohnung würdest du dich entscheiden: Parterre oder Attika?

Altbau, höchster Stock, direkt unter dem Himmel, ohne Fahrstuhl.

Segeln oder Fliegen?

Muss man sich immer entscheiden?

Hier die Anleitung, was zu tun ist:

• Danke dem Blogger, der dich nominiert hat
• Verlinke den Blogger, der dich nominiert hat.
• Füge eines der Liebster-Blog-Award Buttons in deinem Post ein
• Beantworte die Dir gestellten Fragen
• Erstelle 11 neue Fragen für die Blogger, die du nominierst.
• Nominiere 5 oder mehr Blogs, die weniger als 300 Follower haben. 

Ich nominiere folgende Blogs:

https://relalyric.wordpress.com/

http://herrundfraumueller.com//

https://mitziirsaj.wordpress.com/

ohneindassdasjetztpassierenmuss.wordpress.com

http://modepraline.com/

und gebe die vorangegangenen Fragen einfach mal weiter.

Zeilen.

Es gibt einfach so Texte,

die dir im Gedächtnis bleiben.

Zeilen, die beim Lesen nach Rotwein schmecken

und nach Meer duften.

Salz auf unserer Haut.

Worte, die Stellen erreichen, wo eine Hand niemals hinkommt.

Worte, die Mauern durchbrechen und deren Kompass Richtung Himmel zeigt.

Zeilen, an denen du wächst und die mit dir groß werden,

die mit dir lieben oder leiden.

Durch dick und dünn, hoch und tief,

leicht und schwer, du nimmst sie mit,

durch alle Zeiten.

Zeilen, die dich erden und auch fliegen lassen,

dich zu Tränen rühren aber auch dein Lächeln entfachen.

Dir Halt geben, wenn du einsam bist,

dich wärmen, wenn du wieder frierst.

Eine Decke aus Worten geknüpft,

die sich schützend um dich legt.

Zeilen, die du nie vergisst.

Die Mast sind, wenn alles droht, zu versinken,

die Floß sind, wenn du drohst, zu ertrinken,

die Heilmittel sind, wenn dein Herz krank ist.

Zeilen, in denen Hoffnung sprießt

und wenn du dich dann versiehst,

ist die Welt gar nicht so grau

wie sie zu scheinen vermag.